Samstag, 4. April 2020

Vegan in Kopenhagen - Gastbeitrag von Julia



Instagram verbindet. Man kann Menschen mit gleichen Interessen kennenlernen wie z.B. in meinem Fall Reisen und leckeres veganes Essen. Einer dieser tollen Menschen, die ich durch Instagram kenne, ist Julia. Sie hat gerade ein Auslandssemester in Kopenhagen hinter sich gebracht und ich bin sehr froh, dass sie zugestimmt hat, ihre Erfahrungen hier mit uns zu teilen. Auch wenn aktuell aufgrund der Corona-Pandemie Reisen kein Thema ist und auch Reiseplanungen bei den meisten wahrscheinlich gerade komplett auf Eis liegen, möchte ich euch hier gerne auf eine Gedankenreise entführen um ein bisschen Abwechslung in unseren Alltg zu bringen. Egal ob ihr im Home Office "festsitzt" wie ich, weiterhin in der Produktion oder im Büro arbeitet, ob ihr draußen "an der Front" in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und Supermärkten arbeitet - Grüße gehen raus an euch und ich hoffe es geht euch gut. Bleibt gesund!

Als ich für ein Auslandssemester nach Kopenhagen gezogen bin, habe ich mir zugegebenermaßen keine großen Hoffnungen auf vegane Kulinarik gemacht. Es war wohl auch eher der hyggelige Lebensstil der Dänen und die milde Hafenstadt, die mich nach Kopenhagen gelockt haben.

Ich musste jedoch schon bald feststellen, dass ich die Rechnung dabei ohne die Kopenhagener gemacht hatte und auch VeganerInnen voll auf ihre Kosten kommen! Vorab möchte jedoch eines gesagt sein - und dabei spreche ich aus Erfahrung: sofern du dir nicht den Appetit verderben willst, rechne die dänischen Preise nicht in Euro um. Denn Kopenhagen ist teuer, aber jeden Besuch wert und vielleicht auch dein nächstes Reiseziel?

Um vom einen Touristenspot zum anderen zu kommen oder in ein Restaurant einzukehren, nimmt man in Kopenhagen nicht den Bus oder die Bahn. Es wird mit dem Rad gefahren, egal ob Sommer oder Winter, Regen oder 40 km/h Windstärke. Wenn du also die volle Ladung Kopenhagen erleben möchtest, dann gibt es an jeder Straßenecke kleine Läden mit Leihrädern. Doch egal ob mit dem Drahtesel, zu Fuß oder doch per Bus: die Erkundungstour in Kopenhagen kann beginnen!

Wie wäre es also mit einem leckeren Brunch bei „Natur Torst“? Hier kommen nicht nur Avocado-Lover und Superfood-Junkies auf ihre Kosten. Denn vor allem die Brunchplatte mit einer Superfoodbowl, veganem Chiapudding und dem – Achtung Spoiler – besten Avocadobrot das ich je gegessen habe, ist ein Gedicht! Schwer zu sagen, was bei diesem Teller das Beste ist… Auf geröstetem Bio-Roggenvollkornbrot und einem Bett von pikantem Süßkartoffelhummus, macht sich die Avocado samt Sesam, Granatapfelkernen und eingelegten Zwiebeln einfach perfekt. Auch der Superfoodsalat mit mariniertem Tofu kann etwas und ist genau wie der Chiapudding, wirklich ein Geschmackserlebnis und keineswegs langweilig. Auch wirklich nur zu empfehlen sind die leckeren frisch gepressten Säfte mit Superfoods, wie z.B. Camu, Spirulina, Baobab und Maca sowie die Shots aus Ingwer, Hanf oder Kurkuma.




Da man sich also top gestärkt auf Wolke 7 im Brunch-Himmel befindet, kann die Entdeckungstour losgehen. Da das „Natur Torst“ nicht weit vom Strand entfernt ist, bietet sich ein kleiner Strandspaziergang entlang des Amager Strands ja an, oder? Ob bei strahlendem Sonnenschein oder wolkigen Aussichten – ein wunderschöner Ort!



Wer dann vom anstrengenden Strandspaziergang erstmal eine kleine Kaffeepause braucht, ist dann in meinem Lieblingscafé „Kaf“ genau richtig! Während meines Aufenthalts in Kopenhagen war ich Stammgast in diesem 100% veganen Café mit den besten selbstgemachten Kuchen und Gebäcken der Stadt. Angefangen bei Klassikern wie Croissant, Cookies oder Quarktaschen bis hin zu roh veganem Tiramisu Cheesecake, Salted Caramell Cheesecake, Oreo- und Snickerstorte und nicht zu vergessen die typisch dänischen „Kanelsnegle“! Mein Favorit ist definitiv der Double Chocolate Cheesecake, der mindestens genauso genial schmeckt wie er klingt – versprochen! 







Wer dann doch eher der Eis-Esser ist oder nach dem Kuchen schlichtweg noch ein ebenso gutes Eis braucht: ab zu „Nicecream Copenhagen“, das zu Fuß keine 100m von Café Kaf entfernt ist – das muss Schicksal sein! Aber keine Angst, falls du nicht in Norrebrø bist, denn Nicecream Cph hat auch Locations in Vesterbrø, Frederiksberg und Østerbro. Ein leckerer Eisbecher ist dir also sicher! Mit Kokosmilch als Basis sind alle Eissorten total cremig und „Brownielicious“, „Bounty Hunter“ oder „Naughty Banana“ machen die Entscheidung echt schwer. Einfacher wird es auch nicht, wenn du die Toppings auswählen sollst und vor einer erneuten Qual der Wahl stehst: Im Becher, zwischen zwei Keksen, doch lieber auf einer belgischen Waffel oder zusammen mit einem Brownie? Ja, vegan in Kopenhagen ist eben tatsächlich nicht so leicht…


Leichter ist es da dann schon bei der Wahl der Attraktionen – ja, der Eisbecher ist auch was fürs Auge, aber entfernen wir uns mal kurz vom Essen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch im „Frederiksberg Garden“ und dem „Frederiksberg Palace“? Besonders schön ist es hier, wenn im Sommer alles blüht oder sich die uralten Laubbäume im Herbst orange-rot verfärben. Beim Spaziergang durch den Park vergisst man dann schnell mal, dass man eigentlich gerade in einer Großstadt ist und erlebt den gemütlichen Kopenhagen-Flair am eigenen Leib. 




„Pow Pizza“ in Norrebrø ist weniger ein Geheimtipp als der Ort mit den besten Pizzen der Stadt! 100% vegan, mit verschiedenen „Käsesorten“ wie Cheddar, Mozzarella oder Parmesan belegt und mit nur 85-95 Kronen pro Pizza sind die Pizzen hier sogar günstiger als in den üblichen italienischen Restaurants. Wer könnte bei einer veganen Pizza mit hausgemachten Saucen und Käse schon nein sagen?

Keine Pizza? Falafeln gehen ja bekanntlich immer und bei meinem Geheimtipp „Garbanzo“ trifft das Sprichwort „Das Auge isst mit“ definitiv zu. Aber sieh selbst:



Das fluffige Pitabrot wird frisch im Steinofen gebacken, mit den leckeren Falafeln, einer cremigen Tahini-Soße, Krautsalat und diversen anderen bunten Toppings gefüllt und kommt im Menü sogar mit Bulgursalat oder Pommes gegen die Unterpommesung. Meiner Meinung nach ist allein das Falafel-Pita ein guter Grund, Kopenhagen als dein nächstes Reiseziel auszuwählen!

Um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, kann ich ein Frühstück in den Torvethallen empfehlen. Dort bieten z.B. Grød mit den verschiedensten Porridgekreationen oder das „Boho Café“ mit Smoothiebowls, veganen Wraps, Salaten oder Kuchen die optimale Stärkung für einen Shoppingtag durch die Innenstadt Kopenhagens! Die Torvethallen sind übrigens ein typisches Touristenziel, das nicht nur zum Frühstücken einlädt, sondern auch eine super Gelegenheit bietet, kleine Mitbringsel zu besorgen oder einen Blick auf die traditionellen dänischen Köstlichkeiten zu werfen. 


Gestärkt kann ein Shoppingtag dann losgehen. Die berühmte Fußgängerzone „Strøget“ gilt als die längste Shoppingmeile Dänemarks und ist mehr als 1 Kilometer lang. Ein absolutes Muss ist dort auf jeden Fall ein Besuch im „Illum“, dem KDW Kopenhagens. Falls die Luxusläden– an denen ich stets vorbeigelaufen bin, weil ich mein Geld lieber in die Falafel Pitas von „Garbanzo“ investiert habe – kein Interesse wecken, dann sollte wenigstens ein Besuch im Rooftop Café auf dem Plan stehen! Abgesehen vom guten Cappuccino, hat man von dort oben eine fantastische Aussicht über die Dächer der Stadt. Wenige Schritte neben dem „Illum“ findet sich das „Illums Bolighus“. Wieso Dänemark als DAS Design-Land gilt, wird hier deutlich. Designerstücke aller dänischen Designer und Künstler sind hier zu finden. Angefangen von Möbeln, Bildern, oder Dekoration bis hin zu Geschirr, Kleidung und Schmuck. Falls du ein Souvenir suchst, das dich ewig an deinen Trip nach Kopenhagen erinnern soll, dann wirst du hier sicherlich fündig!




Ist man nun die kilometerlangen Ladenstraßen auf und ab gelaufen, meldet sich sicher auch wieder der kleine Hunger. Auch hier werden die veganen Träume wahr – das gemütliche vietnamesische Restaurant „Chao Viet Kitchen“ schreit sozusagen nach einer guten veganen Pho. Um uns Pflanzenfressern das Herz aufgehen zu lassen gibt es sogar eine extra Seite mit vielen veganen Gerichten! Nach einer Shoppingtour sorgen dort beispielsweise Sommerrollen mit Erdnusssoße, eine vegane Pho und ein wärmendes Curry für puren Genuss aus frischen Zutaten und keinen Zusatzstoffen – klare Empfehlung!



Sollte der blaue Himmel in Kopenhagen mal herauskommen, dann ab aufs Rad und los zur Meerjungfrau! Meer, Hafen, Boote und mittendrin die Statue einer Meerjungfrau. Auch das ist eine Attraktion in Kopenhagen, die sich niemand entgehen lassen sollte und mit einem gemütlichen Spaziergang am Hafen verbinden kann.



Eine beliebte Abendbeschäftigung der Dänen ist auch das Umrunden der Seen, den sogenannten „Søerne“. Schwäne und bunte Lichter, die sich im Wasser spiegeln, lassen dich auch hier vergessen, dass Kopenhagen eigentlich eine Großstadt ist und die spektakulären Sonnenuntergänge haben mich jeden Tag aufs Neue fasziniert.




Scheint der Tag in Kopenhagen mal ins Wasser zufallen, ist die Glyptothek eine gute Alternative, dem Regen zu entfliehen. Und ein kleiner Spartipp: jeden Dienstag ist der Eintritt umsonst.


In jedem Reiseführer ist auch das „Tivoli“ zu finden. Der Freizeitpark ist, egal bei welchem Wetter richtig schön anzusehen. Das viele Geld für das Eintrittsticket kann man jedoch getrost sparen, indem man einfach bei „Sticks n‘ Sushi“ nebenan isst. Das Restaurant bietet den perfekten Blick auf den Park und ist vor allem am Abend zu empfehlen, wenn alle Achterbahnen, Bäume und Stände des Themenparks beleuchtet sind.



Das nächste Must-Visit ist die Wachablösung durch die Straßen Kopenhagens. Jeden Tag marschieren die Wachen in ihren Uniformen mitsamt ihrer starren Mimik um Punkt 11.30 Uhr vom „Rosenburg Schloss“ nach „Amalienborg“. Mehr als die Wachen und die Schlösser sind dort nicht zu sehen, aber einmal sollte man das einfach erlebt haben!

Wo wir schon bei Must-Visit sind: Nyhavn. Wer Kopenhagen googelt, findet zuerst das typische Hafenbild mit den bunten Häusern und romantisch beleuchteten Booten. Ich persönlich finde es hier bei Dämmerung und am Abend am Schönsten, wenn die Boote beleuchtet sind und den ganzen Hafen und Restaurants in ein romantisches Ambiente tauchen, was das typische Hygge Feeling aufkommen lässt.




Asche über mein Haupt – auch jetzt noch einmal kein Foodspot, sondern der Freistaat „Christiania“. Es ist ein eigener Freistaat mit fast 1000 Einwohnern inmitten der Kopenhagener Stadt. Bunte Häuser, Hippies, selbstgemachte Kunst, Gras und Musik sind hier 365 Tage im Jahr präsent. Viele mögen sich erschlagen fühlen von der Atmosphäre dort, aber auch hier kann man sich wohlfühlen! Das Café „Morgenstedet“ lädt dort zum selbstgebrühten Chai Latte und verschiedenen vegan- vegetarischen Tagesgerichten ein.



Wenn du Christiania besucht hast und den Kaffee dann doch lieber außerhalb trinken willst, dann kann ich den besten Kaffee der Stadt in einem der Lokale von „ROAST Coffee“ empfehlen! Nur die besten Bio-Kaffeebohnen werden ausgewählt, frisch geröstet, auf verschiedenen Arten gebrüht und last but not least werden die Kaffeebauern mit einem Teil des Umsatzes unterstützt. Was mich als armer Student allerdings am meisten angezogen hat: alle Kaffeegrößen zum gleichen Preis und kein Aufschlag für Pflanzenmilch! Nur 36 Kronen für einen großen bio und fair trade Café Latte mit der guten OATLY Milch? Du wirst keinen besseren Kaffee finden, also ab zu ROAST!

Wir neigen uns dem Ende zu und das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss. Da wird es jetzt auch mal wieder Zeit für gutes Essen, oder? Egal, ob du zum Frühstück, Brunch oder Dinner kommen willst, bei „Café OHA“ ist einfach alles ein Traum! Leckere Säfte, Smoothiebowls, Sandwiches, Burger, Bowls und auch Kaffee und Kuchen haben hier mein Herz höherschlagen lassen. Geschmacklich und preislich ist dieses Café wirklich schwer zu übertreffen und auch die lässige Atmosphäre ist super cool! Mein all-time Favourite war der Super Greens Saft und die vegane Poké Bowl mit Sushireis, Mango, Edamame, Avocado, Wakame, Karotten und einem cremigen Goma-Dressing. Auch das vegane Thunfischsandwich – ja du liest richtig – ist ein echtes Highlight. „Café OHA“ ist definitiv mein Geheimtipp in Kopenhagen und ein Paradies, in dem nicht nur Veganer im Foodheaven schweben!



Das ist doch ein Happy End, oder? Wie ich bereits am Anfang versprochen habe, Kopenhagen hat tatsächlich vegane Köstlichkeiten zu bieten und das nicht zu wenig. Falls du also jetzt Lust auf einen hyggeligen Trip nach Kopenhagen hast, dann los!


Anmerkung: Julia hat diesen Gastbeitrag bereits vor einigen Wochen verfasst, als die aktuelle Situation so noch nicht abzusehen war. Aber vielleicht fühlt ihr euch ja inspiriert, Kopenhagen auf eure Bucketlist zu setzen. Denn auch Europa hat schöne Ecken, tolle Städte und super Restaurants mit veganem Angebot. Und Kopenhagen ist sogar mit dem Zug erreichbar, falls ihr aktuell darüber nachdenkt, eure Flugreisen etwas zu reduzieren. Danke Julia, dass du uns einen kleinen Einblick gewährt hast!

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