Freitag, 4. September 2015

Blogger für Flüchtlinge - Refugees welcome


Eine kleine Warnung vorab: in diesem Post drücke ich mich etwas weniger elegant aus als sonst... aus gegebenem Anlass! Im Moment kann ich nämlich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Überall, wo man hinschaut, sieht und hört man braune Scheiße. In Form von Bekannten, die ihre Meinung zur aktuellen Flüchtlingssituation abgeben ("Ich bin ja kein Nazi, aber..."), Kommentare bei Facebook, Demonstranten vor Flüchtlingsheimen im Osten Deutschlands... Ich möchte wirklich gerne glauben, dass das nur eine Minderheit ist und außerdem will ich glauben, dass reisefreudige Menschen wie meine Leser alle weltoffene Gesellen sind.

So oder so will ich mich jedoch auch klar zu der Thematik äußern und positionieren. Denn das Thema Flucht ist auch Teil meiner Familiengeschichte und alleine schon deshalb (aber nicht nur) liegt es mir sehr am Herzen. Es gab eine Zeit, da sind auch Deutsche geflüchtet aus Angst um Ihr Leben, ihre Existenz und in der Hoffnung auf ein besseres Leben. U.a. empfehle ich dazu mal einen Besuch im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven. Oder ein wenig Recherche zum Thema Heimatvertriebene. So Kommentare wie "Wir Deutschen müssen immer helfen, aber wer hilft denn uns?" kann man sich also getrost verkneifen!

Flucht und Vertreibung von Deutschen nach dem 2. Weltkrieg

Meine Familie kommt aus mehreren östlichen Teilen Europas, die früher mal zu Deutschland bzw. dem Großdeutschen Reich gehört haben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden aus einigen Gebieten Deutsche vertrieben und diese mussten flüchten, u.a. in die restlichen Teile Deutschlands oder auch Österreich. Unsere Generation weiß nicht, was es heißt, Hunger zu haben oder um sein Leben fürchten zu müssen. Meine Großeltern wussten das sehr wohl. Sogar meine Mutter erinnert sich noch sehr lebhaft daran. Meine Omi ist damals mit den beiden Töchtern geflohen, sie hatte meine Tante, die noch ein Baby war, an ihr Bein gebunden und meine ca. 3-jährige Mutter an der Hand. Meine Mutter weiß noch genau, was sie für eine Angst hatte, als sie sich auf der Flucht nachts im Wald in einer Hecke versteckt haben vor Grenzwachen und Hunden. Sie weiß auch noch, unter welchen Verhältnissen sie nach der Ankunft in Deutschland gelebt haben und wie es sich angefühlt hat, nicht willkommen zu sein.

Besonders bewegend finde ich auch, welchen Schicksalsschlag eine der Tanten meines Vaters ertragen musste. Ich durfte sie leider nie kennenlernen, weil sie vor meiner Geburt gestorben ist, ich kenne jedoch ihre beiden Söhne. Seit Kurzem weiß ich, dass die beiden eigentlich noch ein Geschwisterchen hätten, jedoch ist dieses als Baby durch die Strapazen der Flucht gestorben. Die Familie war im Winter zu Fuß geflüchtet, es war so furchtbar kalt, dass der Boden gefroren war und so konnte man das Kind nicht mal ordentlich begraben, sondern musste es einfach liegen lassen. Immer, wenn ich daran denke, gefriert mir das Blut in den Adern und mir stehen die Tränen in den Augen.

Und ich bin mir sicher, anderen ist es sogar noch viel schlimmer ergangen damals bzw. ich mag mir gar nicht ausmalen,  was für Zustände auf den Schlepperbooten heutzutage herrschen. Gerade wurden in einem LKW in Österreich 71 tote illegale Flüchtlinge entdeckt. Wie kann man ernsthaft glauben, dass diese Menschen alles zurücklassen und ihr Leben auf der Flucht riskieren, nur um uns Deutschen bzw. Europäern was wegzunehmen??? Wie herzlos und dumm muss man sein? Das alles macht mich so unglaublich wütend und traurig, dass ich ständing heulen könnte. Es geht hier um Menschenleben, verdammte Scheiße nochmal! Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch.

Meine Nationalität? Mensch!

Ich sehe mich selbst als Weltenbürger. Ein Mensch ist in meinen Augen nicht mehr oder weniger wert aufgrund des Ortes seiner Geburt oder seiner Nationalität. Jeder hat das Recht auf Leben und Unversehrtheit. Weil ich so ein blauäugiger Gutmensch bin und tatsächlich glaube, dass man andere beeinflusst, indem man mit positivem Beispiel vorangeht und dass tatsächlich ein Umdenken stattfinden kann, wenn über Themen oft genug öffentlich diskutiert wird, habe ich mich dazu entschlossen, wie z.B. auch Lena von A Very Vegan Life, Kathin von ein bisschen veganDaniela von Once Upon A Cream und Claudia von Totally Veg! dieses Thema anzuschneiden. Die Initiative #bloggerfuerfluechtlinge ruft Blogger dazu auf, öffentlich Position zu beziehen, um Nähe, Toleranz und Aufmerksamkeit zu schaffen und das habe ich hiermit gerne gemacht. Auf deren Seite findet man übrigens hilfreiche Infos zum Thema Geldspenden, Sachspenden usw. Bisher sind bereits 90.000,- € zusammengekommen! Ich hoffe, dass sich möglichst viele Blogger und Blog-Leser daran beteiligen.


Mehr Infos unter:
www.blogger-fuer-fluechtlinge.de
www.refugees-welcome.info
www.proasyl.de


#bloggerfuerfluechtlinge
#refugeeswelcome

Kommentare:

  1. Schön, dass du auch mitmachst. Hab vor kurzem auch meinen Blog als Plattform dafür genutzt! Das ist einfach wichtig!

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  2. super Aktion! Finde ich sehr unterstützenswert und freu mich, dass so viele mitmachen =)

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  3. Ganz, ganz tolle Aktion. Meine Unterstützung habt ihr. Chapeau

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