Samstag, 2. August 2014

Interview mit Viktoria von Zeilenreisende

Durch Instagram bin ich auf Viktoria von zeilenreisende aufmerksam geworden. Sie postet immer tolle Bilder von Yoga, veganem Essen und kommt auch ziemlich viel rum, so wie es aussieht. Ihr Blog ist momentan leider etwas eingeschlafen, aber das wird sich hoffentlich bald ändern, denn sie hat vor, wieder mehr zu bloggen. Darum behaltet ihre Seite im Auge und bis dahin schaut doch mal bei Instagram rein. Ich habe nun schon einige interessante Leute über Instagram entdeckt (Viktoria gehört da definitiv dazu!) und falls Ihr in Zukunft auf meinen Reisen "mit dabei" sein wollt, dann schaut doch auch mal auf meinem Instagram-Account vorbei. Dort poste ich zeitnah und täglich, wo ich so bin und was ich so treibe. Das verkürzt Euch evtl. die Wartezeit, wenn Ihr meinen nächsten Reisebericht nicht mehr abwarten könnt ;)




Hallo Viktoria, schön, dass Du bei diesem kleinen Frage-Antwort-Spiel mitmachst. Vor allem bin ich ja über Instagram auf Dich aufmerksam geworden, weil Du immer so tolle Bilder postest.  Du scheinst auch gerne unterwegs zu sein und Dein Essensbilder sehen immer superlecker aus. In Deinem Account steht, dass Du „almost vegan“ bist. Was genau bedeutet das für Dich? Vegan mit kleinen Ausnahmen, also as vegan as possible?

Es ist so, dass ich meine Lebensweise nicht mehr als eine Art Religion betrachte. Vielmehr sehe ich darin einen Prozess wie beim Yoga zum Beispiel. Erst die tägliche Übung und die Erkenntnis, dass man nicht mit Gewalt eine bestimmte Pose (Asana) hinbekommen muss, erlaubt es einem seinen Weg fortzusetzen und dadurch immer besser zu werden. Zum anderen geht es auch nicht darum sich zu verrenken, sondern den inneren Frieden zu finden. Genau so sehe ich auch die vegane Lebensweise.


Als ich vor ca. 9 Jahren zum ersten Mal den Versuch unternommen habe vegan zu werden, bin ich schnell gescheitert. Ich war einfach überfordert, denn aus der Sicht eines Veganers, waren alle Supermarktregale auf einmal leer. Gleichzeitig habe ich mit Gewalt versucht, alle um mich herum von meiner Lebensweise zu überzeugen, was eher eine Abwehrhaltung bei anderen erzeugte. Und da mein Freund nicht mitzog, war ich doppelt frustriert, da wir nicht einmal mehr gemeinsam essen konnten. 


Zum Glück kam ich irgendwann zu der Erkenntnis, dass ich mich auf einem guten Weg befinde und dass dieser Weg nicht einmal über ein bereits festgesetztes Ziel verfügt. Es geht nur darum, so zu leben, wie man es selbst verantworten kann, sprich so viele Freiheiten zu nehmen wie möglich, ohne jedoch die Grenzen der anderen - und mit "anderen" meine ich an dieser Stelle auch die Tiere - zu überschreiten. Und auf diesem Weg bin gerade.

Konkret bedeutet es, dass ich meine Oma, die zu alt ist um meine "Spinnereien" zu verstehen, nicht weiter plage, wenn sie sich nach ihren Möglichkeiten bemüht und extra vegetarisch für mich kocht aber dabei nicht beachtet, dass ich auch keine Milchprodukte oder Eier esse. Und auch wenn ich bei Freunden bin, esse ich vegetarisch weil ich sie nicht beleidigen möchte. Immer öfter bringe ich zwar auch meine eigenen Sachen mit (und zwar so viel, dass es für alle reicht), aber ich probiere und esse auch die vegetarischen Speisen der Freunde. Und ich esse auch in Restaurants nicht nur trockene Salatblätter :) 

Zucchini Spaghetto Bolognese





Und auch mein Kleiderschrank ist unvegan. Ich trage keine Pelze und bemühe mich so wenig unvegane Kleidung wie möglich zu kaufen aber ich habe doch einige Lederschuhe im Schrank :( 

Du verreist anscheinend auch sehr gerne, findest Du es unterwegs schwierig Dich vegan zu ernähren?

Ja, ich reise unheimlich gerne. Mit dem essen ist es so eine Sache. Da ich, wie gesagt nicht ständig zu 100% darauf achte, dass mein Essen vegan ist, fällt es mir nicht so schwer. Aber es hängt sehr stark vom Land ab, in das man reist. Thailand und Indien sind ein Paradies für Veganer, zumindest wenn man den Thais vorher klarmacht, dass sie beim Kochen auf ihre heißgeliebte Fischsauce verzichten sollen :) 

Curry in Thailand

In Ländern wie Polen und Russland ist man auf dem Land fast schon aufgeschmissen! Da kann man froh sein, wenn man eine vegane Beilage bekommt. Auch Südafrika war dieses Jahr eine Herausforderung für mich. Es soll zwar im Süden des Landes indische Einfüssen geben, da wir jedoch nicht im Süden waren, sondern nur im Krüger Park und an der Ostküste, fand ich es mit dem Essen sehr anstrengend. Ich esse sehr gerne viel Obst und Gemüse, doch die Südafrikaner bevorzugen italienisches und amerikanisches Fast Food, das beißt sich :) Also mussten wir uns meist selbst versorgen. In den Supermärkten der größeren Städte gab es durchaus eine große Auswahl an veganen Lebensmitteln, so dass es dann doch noch super geklappt hat. Vor allem hat man in den meisten Unterkünften einen eigenen Grillplatz, so dass wir fast täglich Gemüse gegrillt haben, aber auch vegane Würstchen und Burger, die es dort ebenfalls in größeren Supermärkten zu kaufen gibt.

Veggie Sushi in Polen


Magst Du lieber Kurzreisen oder einen großen Jahresurlaub? Eher Fernreisen oder Städtereisen? Lieber Winter- oder Sommerurlaub? 

Oh mein Gott! Wie soll ich dir diese Frage beantworten? Wenn ich könnte, wäre ich nur unterwegs! Ich gehe überall hin und zwar egal ob für einen Tag oder einen Monat! Ich mag nur keine reinen Strandurlaube! Ich muss ständig aktiv sein und etwas tun. Tagelange am Strand - und das noch auf einer Miniinsel - das wäre für mich der Horror! 


Snowboarding in den Schweizer Alpen



Was ist Dein liebstes Reiseziel?

Meinst du damit, wo ich schon war? Oder wohin ich unbedingt mal möchte?

Da ich die ganze Welt sehen will, habe ich momentan noch keine Prioritäten. Momentan zieht es mich nach Indien oder Südostasien. Und würde das Geld keine Rolle spielen, dann würde mich Ozeanien reizen :) 

Viktoria in Thailand




Gibt es ein besonders kurioses Erlebnis, das Du auf Reisen hattest?

Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch nicht einmal Vegetarierin war, wollte ich alles probieren, was das Land, in das ich reiste, zu bieten hatte. So habe ich in Südostasien Frösche, Heuschrecken, Maden, hundertjährige Eier und viele weitere unappetitliche Dinge gekostet, bis ich nach Vietnam kam und mein Freund meinte, dass wir unbedingt Hundefleisch kosten müssen. Ich war damals schon der Meinung, dass man - wenn man schon Fleisch isst - keinen Unterschied zwischen Hunden und Schweinen machen darf, also willigte ich ein. Wir haben wirklich einen Stand mit Hunden entdeckt. Es waren ganze Tiere. Am Stück verarbeitet, noch mit Kopf und allem drum und dran. Es hat mich wirklich Überwindung gekostet aber ich habe es trotzdem probiert! 

Danach jedoch konnte ich kaum noch schlafen. Ich fragte mich ständig, wie diese Tiere wohl getötet worden sind und was für ein Leben sie vorher hatten. Man ist den Hunden ja doch irgendwie näher als den Schweinen, zu denen man nie Kontakt hat....
Und so kam ich ins Grübeln und stellte fest, dass ich nie wieder einen Hund essen würde und auch niemals eine Katze was mich dann zu der Konsequenz führte, komplett auf Fleisch zu verzichten, denn entweder man isst alles, oder gar nichts! Speziesismus geht bei mir gar nicht! 



Südafrika


Gibt es etwas, dass Du immer dabei haben musst (können auch mehrere Dinge sein)? 

Ein Buch oder mindestens ein Hörbuch und seit Neuestem mein Handy wegen Instagram :)




Du wohnst ja am Bodensee, andere machen dort Urlaub ;) Gibt es in dieser Region für Veganer ein paar interessante Cafés oder Restaurants?

Leider nichts ausdrücklich Veganes. Zumindest nicht in der Nähe von Friedrichshafen :( Aber soweit ich weiß gibt es in Konstanz mehrere vegane Cafés und Restaurants, wohl aber noch nicht so lange... (siehe auch VEGGIE GUIDE: Vegan in Konstanz von Veggie Love).



Thailändische buddhistische Mönche am Bodensee

Bei uns in der Nähe gab es letztes Jahr gefüllte Kartoffel und zwar nicht wie sonst üblich mit Sauerrahm sondern mit Ratatouille. Eine Zeit lang wurde das Gericht  leider nciht mehr angeboten, aber nun ist es wieder zu haben.Das Lokal heißt Dorfkrug und ist in Gohren (Kressbrunn).




Vielen lieben Dank für das Interview, die tollen Geschichten - auch die Anekdote mit dem Hundefleisch, denn Ich finde es immer wieder interessant, aus was für verschiedenen Gründen beschließen, auf Fleisch zu verzichten - und die Inspiration. Sich selbst nicht ständig unter Druck zu setzen und/oder von anderen zu isolieren, ist in meinen Augen eine gute Einstellung. Ein entspanntes Vorleben der veganen Ernährung und Lebensweise ist auch meiner Meinung nach der beste Weg, sich selbst damit besser zu identifizieren, sich selbst nicht zu verlieren und anderen zu zeigen, dass sie das auch können, wenn sie wollen. Go vegan ;)


1 Kommentar:

  1. Interessantes Interview =). Mir gefällt diese Sichtweise auf den Veganismus!

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