Freitag, 18. Juli 2014

Andere Länder, andere (Tisch)Sitten


Das erste Mal, dass mir aufgefallen ist, dass man sich in anderen Ländern irgendwie bei Tisch anders verhält, das war durch den Film Mr. Baseball. Da wird der Baseballspieler Jack (gespielt von Tom Selleck, bekannt durch die Fernsehserie Magnum) nach Japan versetzt und erlebt dort einen Kulturschock nach dem anderen. 


Klar, denkt da vielleicht der ein oder andere. Asien hat eine ganz andere Geschichte und Kultur und ist sehr weit weg von Europa. Aber auch in Ländern, wo wir es vielleicht nicht erwarten, herrschen andere Tischsitten als bei uns. Damit Ihr da nicht unvorbereitet in das ein oder andere Fettnäpfchen tretet, habe ich hier ein paar Benimmregeln für Euch aufgelistet:

USA

In den USA beispielsweise schneidet man das Essen zuerst mit Messer und Gabel klein, danach nimmt man die Gabel in die rechte Hand und isst nur mit dieser. Die linke Hand verweilt im Schoß. Angeblich rührt dies noch aus der Zeit der Cowboys. Um auf eine eventuelle Schießerei vorbereitet zu sein, war die linke Hand während des Essens ständig am geladenen Colt. Doch bevor es ans Essen geht, ein weiterer wichtiger Tipp: please wait to be seated! Das bedeutet, man setzt sich nicht einfach an einen Tisch seiner Wahl, sondern man meldet sich im Eingangsbereich an und wird dann zu einem Tisch geführt. 


Nach dem Essen wird nicht noch ewig bei Wein o.ä. verweilt, sondern es ist üblich, nach dem Essen die Location zu wechseln und dort Drinks einzunehmen. Beim Trinkgeld sollte man nicht sparen, denn das Servicepersonal verdient teilweise gar nichts oder hat einen sehr geringen Stundenlohn, nur mit Trinkgeldern können sie sich über Wasser halten. Üblich sind 15 – 20% des Rechnungswertes. Eher selten ist auf der Speisekarte oder der Rechnung der Hinweis zu finden, das Tip bereits included ist. Dann braucht man nicht nochmal extra Trinkgeld zu geben. Uns Deutschen mag das mit dem Trinkgeld seltsam vorkommen, aber dadurch ist gewährleistet, dass man überall wirklich sehr freundlich und zuvorkommend bedient wird. Oft ist es im Preis inbegriffen, Kaffee und alkoholfreie Softdrinks ständig nachgeschenkt zu bekommen. Hat man eine aufmerksame Bedienung, die das immer wieder tut, hat sie sich auf jeden Fall ein saftiges Trinkgeld verdient. Es ist außerdem nicht üblich, sich vor dem Essen einen guten Appetit zu wünschen. Achja, und man kann sich Reste in ein Doggy Bag einpacken lassen. 

Großbritannien

Möchte man in einem englischen Pub etwas bestellen, dann muss man dafür selbst an die Theke gehen. Dort bekommt man sein Getränk direkt und muss auch sofort bezahlen. Speisen werden auch direkt abgerechnet, die bekommt man dann allerdings an den Tisch gebracht. Trinkgeld ist hier nicht so üblich, manchmal findet man aber ein Schälchen an der Bar, wo man Trinkgeld für das Personal hineinwerfen kann. Ist man in einer Gruppe unterwegs, ist es üblich, dass man eine Runde für alle bezahlt, danach ist der nächste dran usw. Und immer extrem höflich bleiben, immer wieder please und thank you einbauen. 





Ab ca. 16.00 Uhr ist Tea-Time. Zum Nachmittagstee werden gerne kleine Sandwiches oder süßes Gebäck wie z.B. Scones gereicht.  

Cucumber Sandwiches
Italien

Das Abendessen in Bella Italia besteht aus Antipasti, 2 Hauptgängen (primo und secundo) und einem Dessert. Der erste Hauptgang besteht häufig aus Pasta oder Gnocchi (evtl. auch Risotto), der zweite Hauptgang enthält meist Fisch oder Fleisch. Beilagen zum Fleisch müssen extra bestellt werden, dies sollten aber niemals Nudeln sein. Zum Glück können wir diese „wichtige“ Information auch gleich wieder vergessen. Man muss halt nur irgendwie dem Kellner klar machen, dass man entweder keinen 2. Gang haben will oder eben 2 Beilagen ohne Fleisch (wie z.B. etwas Gemüse und Pommes o.ä.). Das ist etwas blöd, aber nur das Nudelgericht zu essen ist absolut unüblich. Man kann zumindest mal versuchen, das dem Kellner klarzumachen, es kann aber sein, dass das nicht verstanden wird. 


Spaghetti sollte man in Italien nicht kleinschneiden und auch nicht unter Zuhilfenahme eines Löffels aufrollen. Die Italiener tun dies nur mit der Gabel. Wer das nicht beherrscht, sollte am besten gleich etwas anderes bestellen.



Nach dem Essen trinkt man einen caffè, aber keinen Cappuccino. Ein Tisch wird immer zusammen kassiert, es ist nicht üblich, jeden einzeln abzurechnen. Wünscht man getrennte Kasse, klärt man die Aufteilung unter sich am Tisch. Das Gedeck (coperto) wird ebenfalls berechnet und der Preis ist für das Besteck und auch evtl. auf dem Tisch stehende Knabberstangen usw. Trinkgeld gibt man nur, wenn man wirklich über alle Maßen zufrieden mit dem Service war. Man rechnet das dem Kellner aber nicht vor oder rundet auf, sondern man lässt einfach diskret etwas Kleingeld auf dem Tisch liegen.

Außerdem machen sich die Italiener gerne schick, man fällt also negativ auf, wenn man zum Essen mit alzu legerer Kleidung auftaucht.


Spanien

Wie in Italien ist es auch in Spanien so, dass alle Gäste zusammen bezahlen und nicht getrennt. Die berühmten kleinen Häppchen, Tapas genannt, bestellt man nicht am Tisch, sondern man nimmt sie im Stehen an der Bar zu sich. Man isst in Spanien erst sehr spät zu Abend und wenn man nach der Arbeit was Trinken geht, dienen die Tapas als Grundlage, damit man nicht auf leeren Magen Alkohol trinkt.




Frankreich

Unser Nachbarland, die Erfinder der Nouvelle Cuisine (also kleine Portionen, große Preise), legen sehr viel Wert auf Tischmanieren. Grundsätzlich ist das auch zu begrüßen, aber neben Schmatzen und Schlürfen ist auch das Pusten bei heißen Suppen z.B. verpönt, das Baguette solte man nicht schneiden, sondern brechen - und auf keinen Fall in die Suppe tunken! In Frankreich wird außerdem immer Besteck benutzt (sogar bei Geflügel, im deutschen Knigge Benimmbuch gilt mittlerweile das Essen von Geflügel mit den Händen als akzeptiert). Zum Glück kommen wir nicht in die Verlegenheit, Geflügel mit dem Besteck (oder sonstwie) essen zu müssen.

Als Trinkgeld sind ca. 5-10% des Rechnungswertes üblich, man lässt das Geld einfach auf dem Tisch liegen.

Und natürlich ist erwünscht, dass man französisch spricht. Wenn man das nicht beherrscht, sollte man zumindest die üblichen Floskeln wie Bonjour, Merci usw. fallen lassen. Übrigens empfehle ich das nicht nur für Frankreich. Es kommt immer gut an, wenn man ein paar Worte in der Landessprache sagen kann.



Türkei


Die Türken sind sehr herzlich und gastfreundlich und man sollte reichlich zugreifen, wenn man etwas angeboten bekommt. Je mehr man isst, umso mehr freut sich der Gastgeber. Denn so zeigt man, dass es einem schmeckt. Wenn man das Essen allerdings zu sehr lobt, bekommt man evtl. noch mehr aufgetischt. "Afiyet olsun" sagt man in der Türkei NACH dem Essen, was soviel heißt wie "Guten Appetit". So kann man z.B. zeigen, dass es gut war, man nun aber genug gegessen hat und satt ist ;)

In ländlicheren Gegenden ist es sogar noch üblich, im Schneidersitz zu essen. Dabei sollte man allerdings niemandem seine Schuhsohlen zeigen, denn das gilt als Beleidigung.


Sigara Börek
Was nicht so gut ankommt, ist seine Nase in der Öffentlichkeit zu putzen - und schon gar nicht bei Tisch!

Dänemark


In Dänemark sollte man sich am Büffet nicht so viel auf einmal auf den Teller laden, das gilt als unhöflich. Besser ist es, man geht ein paar Mal hintereinander ;)


Österreich


Was das Trinkgeld angeht (in Österreich "Schmattes" genannt), sollte man in Hotels, Restaurants usw. ca. 10% ansetzen - in Kaffeehäusern sogar 15%



Arabische Länder und Indien


Hier wird oft mit der Hand gegessen - allerdings nicht mit der linken! Die linke Hand gilt als unrein, man sollte damit auf keinen Falls ins Essen greifen.


Russland
 

Isst man seinen Teller in Russland leer, bekommt man mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Nachschlag. Am besten lässt man immer einen kleinen Rest auf dem Teller liegen, wenn man satt ist. So zeigt man dem Koch oder Gastgeber, dass die Portion nicht zu klein war.

China

Ein Sprichwort besagt, dass in China alles gegessen wird, was vier Beine hat - außer Tische und Stühle. Keine Angst, das ist wirklich übertrieben. In ländlichen Regionen mag das zutreffen, jedoch nicht in den Großstädten. Hunde- oder Katzenfleisch wird man hier nicht vorgesetzt bekommen. Ich finde zwar Schweinefleisch o.ä. genauso schlimm, aber zu Katzen habe ich dann doch nochmal ne andere Beziehung, weil ich selbst mit 2 Katzen zusammenlebe.

Diverse Arbeitskollegen haben mir unabhängig voneinander erzählt, wenn man in China von Geschäftspartnern eingeladen wird, wäre es unhöflich, etwas zu verschmähen. Bestimmte Dinge wie Fleisch o.ä. abzulehnen wäre also undenkbar. Allerdings denken die meisten auch, dass es in Deutschland ohne Schnitzel und Bratwurst schwierig zu überleben sei ;) Ich denke, es ist grundsätzlich alles möglich. Ich habe nämlich gelesen, dass es sehr wohl akzeptiert wird, wenn man sagt, dass man Vegetarier*in ist. Schließlich hat fleischlose Ernährung und Produkte wie Tofu, Tempeh und Seitan eine jahrhundertelange Tradition dort.

Lustigerweise gehört es in China zum guten Ton, dass geschmatzt, geschlürft und auch gerülpst wird. So zeigt man, dass es einem schmeckt. Es kann sogar passieren, dass Chinesen während des Essens eine Zigarette anstecken. Ist man selbst Raucher sollte man seinen Tischnachbarn auf jeden Fall eine Zigarette anbieten.

Was man nicht macht, ist mit den Fingern zu essen - man benutzt immer die Stäbchen!

Auch in China ist das Nase schnäuzen verpönt. Wenn man sich die Nase putzen muss, sollte man dafür die Toilette aufsuchen. Ist man satt, gilt wie in Japan, dass man am besten ein paar Reste auf dem Teller liegen lässt um zu symbolisieren, dass man mehr als genug hatte. Auf keinen Fall sollte man jedoch die Essstäbchen senkrecht in den Reis stecken, denn das bringt Unglück. Auch auf dem Tisch sollte man sie nicht ablegen, sondern lieber auf einen Stäbchenhalter oder horizontal auf den Teller.

Und wie bei anderen Ländern bereits beschrieben, gilt es auch in China als geizig, auf getrennte Rechnungen zu bestehen. Es gibt sogar geradezu einen Wettkampf, wer das Essen bezahlen "darf".

Japan

Im Land der aufgehenden Sonne wird bereits morgens schon Fisch und Fischsuppe gegessen. Das ist uns vor allem in Hawaii aufgefallen, wo viele Japaner leben und auch viele japanische Touristen Urlaub machen. Für uns Europäer ist das eher gewöhnungsbedürftig, bzw. als Veganer*innen empfinden wir den Geruch von Fisch zu jeder Tageszeit nicht gerade als angenehm.

Auch Reis isst man schon am Morgen, aber bitte nicht Sojasauce drüber gießen! Und auch in Japan sieht man es nicht gerne, dass die Stäbchen senkrecht in den Reis gesteckt werden. Dieser Anblick erinnert an den Tod, da man dies bei Beerdigungen als Ritual macht, wenn Opferspeisen dargeboten werden.

Nase putzen wird hier ebenfalls als eklig empfunden, vor allem bei Tisch. Man zieht lieber die Nase hoch oder wischt sie sich am Ärmel ab. Kein Witz! Ich habe das mal irgendwo gelesen und in San Francisco dann mehrfach bei japanischen Taxifahrern live erlebt.

Und wie wird was gegessen? Suppe trinkt man (das kennt man von der Misosuppe in der Sushibar). Nudeln, z.B. Sobanudeln werden geschlürft (siehe obiger Filmausschnitt aus "Mr. Baseball"). Aber Hilfe, was macht man, wenn man in Frankreich japanisch essen geht? Schlürfen oder nicht? ;) Gar nicht so einfach.

Ist man bei jemandem zuhause, zieht man die Schuhe aus. Und es gibt extra Hausschuhe für das Badezimmer bzw. die Toilette! Man geht nicht mit den gleichen Latschen auf Toilette, mit denen man im Rest der Wohnung rumläuft.


 

Habt Ihr mit solchen potentiellen Fettnäpfchen schon Erfahrungen gemacht? Oder vielleicht könnt Ihr hier noch etwas ergänzen?


Kommentare:

  1. Sehr interessanter Bericht...In Afrika gilt auch nicht mit der linken Hand zu essen oder nach dem Essen zu greifen. Oft wird mit der Hand gegessen, das Essen gemeinsam gezahlt und generell sehr wenig Trinkgeld gegeben ausser in besseren Restaurants!Einen Tee den einen angeboten wird sollte man immer austrinken, dies nicht zu tun gilt als extrem unfreundlich und unhöflich.
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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  2. Der Filmausschnitt ist total witzig, den kannte ich nicht! :D
    Generell sehr interessanter Beitrag.
    Dass die amerikanischen Tischsitten so anders sind, wusste ich nicht.
    Ich habe das in Japan allerdings so erlebt und gelesen, dass man alles bis auf das letzte Reiskorn fertig essen sollte und keinen Anstandsrest zurücklassen soll. Das hat irgendwas mit Göttern zu tun, aber so genau erinner ich mich nicht mehr ;)
    Außerdem gibt man in Japan auch kein Trinkgeld. Sushi darf man übrigens in normalen Sushibars sogar mit der Hand essen, was mir neu war.
    Ansonsten fällt mir jetzt nichts mehr ein. In Australien sind mir eigentlich keine anderen Tischmanieren aufgefallen, aber da war ich auch nicht allzu oft essen und ist ja jetzt auch schon eine Weile her.
    Liebe Grüße nach Kroatien!

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  3. servus,
    toller Bericht!!
    - ich möcht aber als Wienerin korrigieren, dass hier eigentlich niemand "Schmattes" verlangt ;) , der Ausdruck eher als witziger, legerer, "alter" Begriff dient (mit deiner Fingergewegung Zeigefinger reibt den Daumen *gg*), ich glaub auch, dass den gar nicht so viele junge Leute kennen.
    Musste mir das Wort mehrfach vorsagen damit ich weiß was du meinst (wird als ... :Schmatis: ausgesprochen)

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  4. Ich bin in Kasachstan geboren! Bei den kasachen ist es so ähnlich wie bei den Türken, man darf oder sollte nicht das Essen ausschlagen! Die werden dann sehr beleidigt sein! außerdem wird das National Gericht Bez Barmak das soviel heißt wie Fünf Finger in der Tat mit den Händen und im liegen gegessen!

    übrigens finde ich das chinesische Essverhalten sehr....

    viele Grüße,

    Alina

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