Donnerstag, 19. Juni 2014

Vegan in der Toskana - Gastbeitrag von Cheesy


Kennt Ihr Cheesy's Blog? Unter dem Motto "Eine Schweizerin is(s)t vegan..." bloggt sie seit Oktober 2011 über ihr Leben als Veganerin mit allem, was dazu gehört. Ich lese ihren Blog schon eine Weile und habe mal hier ein Rezept von ihr vorgestellt, nämlich für veganes Käsefondue. Mmmmmmh, so lecker! Vor ein paar Monaten ist sie zum ersten Mal Mutter geworden und auch darüber kann man einiges auf ihrer Seite lesen. Das zweite Baby ist auch bereits unterwegs, wie man auf dem ein oder anderen Foto erkennen kann ;)

Nun war sie mit ihrer kleinen Familie in der Toskana und ich freue mich sehr, dass sie mir angeboten hat, ihre Urlaubserfahrungen auf meinem Blog zu teilen.

Das Rezept für veganes Käsefondue gibt es hier: www.veltenbummler.blogspot.de/2013/01/veganeskäsefondue
Eine nochmal verfeinerte Variante des "V"ondue findet man auf Cheesy's Blog hier: www.cheesy.ch/blog

Vegan in Urlaub zu fahren ist für viele schon eine Herausforderung. Aber dann noch schwanger und mit einem Baby unterwegs? Cheesy und ihr Mann scheinen sehr entspannt zu sein (megasympathisch!) und sie haben die Herausforderung mit Barvour gemeistert. Und nun lasse ich sie am besten selbst erzählen:

Bevor in wenigen Monaten unser zweites Wunder zur Welt kommt, wollten wir noch in der „kleinen“ Familienversion Ferien machen und haben uns für 10 Tage Toskana entschieden. In Venturina Terme fanden wir ein für uns passendes Appartement-Angebot und sind nachts um 3 Uhr mit schlafender knapp 14 Monate alten Tochter losgefahren. Da wir nicht genau wussten, wie das vegane Essensangebot in Italien ist, haben wir ziemlich viel Vorrat an Sojamilch, Sojajoghurt, Vleisch usw. eingepackt. Etwas, das sich im Nachhinein als recht unnötig herausstellen sollte… 




Als Zwischenstopp auf der Hinreise haben wir uns Lucca ausgesucht. Lucca liegt in der Nähe von Pisa, hat um die 87‘000 Einwohner und ein hübsches historisches Zentrum.

Am nächsten Tag stand Einkaufen auf dem Programm. Im Dorf gab es die Supermarktkette „Conard“ und „Coop“. Was ich da fand erstaunte mich - und zwar äußerst positiv! Bei uns in der Schweiz gibt es in den normalen Supermärkten je nach Grösse der Filiale durchaus auch je eine Sorte Soja- und Reismilch, vielleicht 2-3 verschiedene Sojajoghurt, Naturtofu und einige vegane sonstige Sachen wie Plätzchen, Würstchen oder auch mal ein Fertigmenü. Aber für alles weitere muss man dann schon den Bioladen aufsuchen. Italien scheint da anders zu funktionieren. Entweder weil es nicht so ein milchlastiges Land wie die Schweiz ist, oder weil es weniger Bioläden gibt und deshalb das vegane Standardsortiment im normalen Supermarkt einfach grösser ist? Wie auch immer: Völlig fasziniert stand ich vor 8 verschiedenen Milchalternativen, 10 unterschiedlichen Joghurtvariationen, Eiscreme, Vanille- und Schokoladedrinks, Caramelköpfli, Seitanburger, Schokoladenaufstrich u.v.m. Ein Paradies! Und natürlich musste ich beinahe alles ausprobieren *smile*  


Auch wenn es für ein Bad im Meer noch zu kalt war – zumindest für mich – so wollten wir unserer Kleinen natürlich die übergrosse Badewanne zeigen. Also fuhren wir nach Marina di Bibbona, wo es nebst Strand einen grossen Pinienwald gibt, der bei der Hitze zum schattigen Spaziergang einlädt oder auch einfach gemütlich ist um die heiße Mittagszeit zu überbrücken. 




Nach dem Essen einiges Sandes und dem Genießen des Meerrauschens fuhren wir nach Casale Marritimo weiter, eine kleine Gemeinde mit rund 1000 Einwohnern auf einem Hügel. Die Fahrt dorthin bescherte uns wunderschöne Landschaft, wie man sie aus Toskana-Bildbändern kennt. 




Der Ort hat einen sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern, ist zwar schnell angeschaut aber wirklich sehr hübsch. 






In schwanger und mit Kleinkind Ferien zu machen ist definitiv eine größere Herausforderung als ich dachte. So war ich abends nach solch eigentlich eher kleinen Ausflügen jeweils doch ganz schön k.o. und froh, wenn die Kleine im Bett war und ich noch einen kurzen Feierabend (mit leckerem Caramelköpfli) geniessen konnte und danach früh zu Bett. 


Ein Ausflug der größeren und längeren Art war Pisa. Muss man ja gesehen haben. Wobei es eigentlich komisch ist, damit berühmt zu werden, dass der Erbauer eines Turmes nicht bedacht hat, dass er auf sumpfigem Gelände baut ;-) Pisa mit seinen rund 86‘000 Einwohnern hat einige Universitäten und Schulen zu bieten und man merkt schnell, dass man sich in einer Studentenstadt befindet (Studenten machen fast die Hälfte aller Einwohner aus!). Das macht Pisa aber auch sehr frisch, jugendlich und lebendig, sofern nicht gerade Semesterferien sind.

Über die App „Happy Cow“ sowie generell im Internet hatte ich mir im Voraus einige vegane Läden und Restaurants in den zu besuchenden Städten herausgesucht und was Pisa betraf stand der „Vegan come Koala“ auf meinem Programm. Zur Mittagszeit in Pisa eintreffend suchten wir somit als erstes die Via L’Arancio auf und fanden dort in Nummer 21 einen sehr kleinen Take Away Laden vor, welcher einige uns bekannte vegane Produkte zum Verkauf anbot, aber eben vor allem die Lunchvariationen wie Burger, Hot Dog, Sandwiches usw. Ich entschied mich für ein Sandwich mit Seitan und „Käse“ sowie ein Stück „Tiramisu“, welches wir in einem kleinen Park in der Nähe verspeisten. Im Laden selber hätte es zwar 2-3 Sitzgelegenheiten, aber das ist doch schon sehr eng und unattraktiv. Das Sandwich war sehr lecker und ich bereute, nicht zwei genommen zu haben, schließlich musste ich auch noch einige Stücke meiner Kleinen abgeben bzw. eh für zwei essen ;-) Das „Tiramisu“ war eher enttäuschend. Vielleicht bin ich zu sehr verwöhnt, weil ich vom Samses in Zürich her das aus Seidentofu hergestellte „Veganisu“ kenne, vielleicht war es auch einfach zu stark nur zerdrückte Banane mit viel Kakao.







Gestärkt ging es los zum Schiefen Turm – dem eigentlichen Grund unseres Besuches (und den von Tausend anderen). Erster Eindruck: Aha, so klein ist der? Pisa selber wirkte, wie italienische Städtchen oft wirken, etwas alt und verwahrlost, aber der Platz mit dem Schiefen Turm, dem Dom Santa Maria Assunta und dem Baptisterium ist blitzblank, gepflegt und auf Hochglanz poliert – man fühlt sich wie im Museum. 








Von der Hitze schon ziemlich aufgewärmt machten wir uns auf die Suche nach Glace, bzw. dachten uns, wir gehen einfach auf dem Rückweg wieder beim Koala vorbei. Tja, Pech gehabt, Glace führt er nicht. Dafür hat er uns den Weg zu einer Gelateria beschrieben, welche veganes Eis im Sortiment hat. Es war jetzt nicht das beste Eis das ich je gegessen habe, aber es half, den Drang nach Eis zu stillen ;-) 








Bei unserem nächsten Einkauf entdeckten wir weitere vegane Produkte. Sojasun, SoiAmici, Valsoia, Alpro… Italien ist ein Paradies! Ich bin immer noch ganz verblüfft. 


Am nächsten Vormittag wollten wir wieder mal Meer sehen und fuhren an den Nahe gelegenen Parco costiero di Rimigliano, ein sehr langer Sandstrand und Pinienwald der sich von San Vincenzo hinunter nach Baratti zieht. 




Nach der Mittagshitze fuhren wir nach Massa Marritima, ein Städtchen mit rund 8600 Einwohnern. Ein wirklich zauberhaftes Städtchen mit einer schönen historischen Altstadt, in welcher mir vor allem die Piazza Garibaldi mit dem Palazzo Comunale, Palazzo die Conti di Bisemo und der Kathedrale San Cerbone super gefallen hat. Wobei, nein, die hübschen und gepflegten Gässchen waren wirklich auch wunderschön.

Hungrig nach Pizza machten wir vor der Rückfahrt auf der Piazza Garibaldi in einer Pizzeria Halt. Sofort wurden uns ein Babysitz und sogar ein Lätzchen zur Verfügung gestellt. Dass wir die Pizzen ohne Mozzarella bestellt haben schien den Pizzaiolo aber doch so sehr zu verwirren, dass er sich von seinem Pizzaofen weg traute um die komischen Gäste in Augenschein zu nehmen ;-) 













Schon viele Jahre lang wollte ich mir unbedingt mal Florenz anschauen. Auch wenn die Fahrt mit 2h pro Weg eher lang war, so gingen wir am Dienstag nach Pfingsten dorthin. Ob es an Pfingsten liegt, dass Florenz rappelvoll mit Touristen war? Oder hat die Stadt immer so viele Leute, dass das Zentrum aus allen Nähten zu platzen scheint? Ich weiß es nicht. Mir war es, vermutlich kombiniert mit der Hitze und der Anstrengung, auf jeden Fall schon ein wenig zu viel. Nichts desto trotz haben wir uns natürlich fleißig die Altstadt angeschaut. Bzw. suchten wir als erstes das „Il Vegetariano“ auf, da wir zur Mittagszeit in der Stadt eintrafen. Das Restaurant liegt gar unscheinbar im Norden der Altstadt und ist seeehr eng. Oder einfach schlecht eingerichtet, da Menüplan, Kasse, Salatbuffet sowie Ausgang zum kleinen Gartenbereich sich einen gefühlten Quadratmeter teilen müssen. Wir waren überrascht wie voll das Restaurant war und die Leute waren überrascht, dass wir uns mit Kleinkind und Kinderwagen reintrauten ;-) In der Annahme, bei „Primi Piatti“ handle es sich um eine kleine Vorspeise und sowieso mit knurrenden Mägen bestellten wir fleißig Gerichte – was am Schluss zum wohl etwas merkwürdigen Bild führte, dass 2 Erwachsene und ein Baby 5 prallgefüllte Teller vor sich stehen hatten. Aber lecker war’s! Wir hatten einen großen Salatteller, Couscous, Humus, Pasta, Risotto… na einfach alles was das Veganer-Herz begehrt und aßen uns quer durch bis wir nur noch aus dem Lokal gerollt werden konnten. 






Nach einer Verdauungspause in einem nahegelegenen Park nahmen wir die Stadt unter die Füsse: Den Dom Santa Maria del Fiore mit seiner eindrucksvollen Kuppel, die Basilica di San Lorenzo, den Palazzio Vecchio mit der Davidstatue, die Ponte Vecchio, Santa Maria Novella, Palazzo Pitti u.v.m.

Der Dom Santa Maria del Fiore
 


 Die Ponte Vecchio

 


Die Ponte Vecchio erinnert an das Buch „Das Parfum“ von Patrick Süskind. Sie gilt als einer der ältesten Segmentbogenbrücken der Welt. Schon zu etruskischer Zeit existierte hier ein Flussübergang. Nachdem 1333 ein Hochwasser eine an derselben Stelle stehende Holzbrücke zerstört hatte, wurde in zwölfjähriger Bauzeit die heutige Brücke aus Stein errichtet. Seitlich entlang der Brücke befinden sich seit 1345 lückenlos aneinandergereiht kleine Läden mit zur Brücke hin gerichtetem Eingang, deren rückwärtiger Teil jeweils einem Balkon ähnlich die eigentliche Brücke überragt. Ursprünglich waren auf der Brücke hauptsächlich Schlachter und Gerber ansässig. Die Schlachter warfen ihre stinkenden Abfälle in den Arno, die Gerber wuschen ihre Stoffe, die zuvor mit Pferdeurin gegerbt wurden. 1565 wurden diese jedoch per Dekret von Cosimos I. de’ Medici durch Goldschmiede ersetzt, da diese keinen Abfall produzieren. Noch heute befinden sich zahlreiche Juweliere in den kleinen Läden auf der Brücke. (Quelle Wikipedia)



Eigentlich wollten wir die Zvieri-Pause (4-Uhr-Pause J) im Boboli-Garten machen, welcher hinter dem Palazzo Pitti ist. Jedoch handelt es sich dabei wohl eher um einen schön angelegten Park (mit Eintritt), der mehr zum spazieren als zum auf der Wiese liegen anregen soll, weshalb wir unser hart verdientes Eis unterwegs assen. Eis? Ja genau! Nachdem ich schon den ganzen Tag eisessende Menschen über mich ergehen lassen musste, selber aber nirgendwo milchfreies Eis angeschrieben gesehen hatte, war ich kurz davor, entweder per Taxi in das nicht wirklich auf dem Weg liegende „Dolce Vita Vegan“ zu fahren oder dem veganen Leben untreu zu werden ;-) Mein Mann rettete mich vor beidem indem er in der nächstbesten Gelateria (kurz nach dem Palazzo Pitti) nach milchfreier Glace fragte und zur Antwort erhielt, dass diese Sorte und jene und die hier usw. ohne Milch seien. Staun! Ich weiss jetzt nicht ob wir einfach irres Glück hatten, oder ob in Italien effektiv oft Gelati ohne Milch sind? Auf jeden Fall langten wir zu und genossen.




Inzwischen etwas arg vom Zentrum abgekommen stand uns ein für meinen Geschmack viel zu langer Rückweg bevor. Deshalb stornierten wir auch unseren ursprünglichen Plan, hinter dem Dom beim „Panino Vegano“ ein Sandwich essen zu gehen und fuhren direkt heim. Schade, wäre bestimmt lecker gewesen. Aber nach dem langen Tag war ich ziemlich erledigt und war froh, den restlichen Fussweg, der teilweise wunderschön dem Arno entlang führte, noch einigermassen bewältigen zu können. 









Warum findet man die besten Sachen am letzten Tag? So frage ich mich zumindest jetzt, wo ich leider nur 2l des Getränkes „Orzomalto“ eingekauft habe. Kennt ihr diese kalten, leider mit Milch angerührte Kaffeedrinks die man an Tankstellenshops kauft? Genauso schmeckt es – nur ist es eben vegan. Ich MUSS einfach herausfinden wie ich Orzomalto importieren kann! Ich kann nicht mehr ohne leben… 




Und so hat leider alles ein Ende – auch unsere Ferien… es hieß schon wieder packen und ab nach Hause. Die Kleine in ihrer Lieblingstrage „Luemai“ in den Schlaf tragend ging ich ein letztes Mal durch unsere Ferienanlage, sagte dem Pool tschüss und verabschiedete mich gedanklich von all den leckeren Sojaprodukten, die ich hierzulande leider nicht finden werde. 



Da wir meist im Appartement gekocht haben, kann ich außer den erwähnten Lokalitäten nicht sagen, wie einfach das vegane auswärts Essen in Italien ist. Aber wenn man wie mein Mann und ich so auf Pizza steht, wird man in Italien doch eh keine Probleme haben, oder?

Unser Urlaub war auf jeden Fall wunderschön und die Toskana, bzw. das was ich nun davon gesehen habe, kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen. 



© by Cheesy
Der Blog: www.cheesy.ch/blog
Die Welt: www.cheesy.ch
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Kommentare:

  1. Ich danke DIR dafür, dass ich einen Gastbeitrag bei dir platzieren durfte und freue mich sehr, wenn Veltenbummler sich austauschen :-)

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  2. Sehr schöner Beitrag von dir Cheesy! Gibt es eigentlich auch Vegane Hotels? habe davon irgendwie noch nichts gehört :/

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  3. Ich kenne nur das Loving Hut am Kloppeiner See, welches rein vegan ist. Es gibt aber einige vegetarische, die auf Wunsch hin vegan kochen. Z.B. das Biolandhaus Arche (http://www.cheesy.ch/blog/?p=4203) u.v.m.

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  4. Schau mal hier bei www.veggie-hotels.de rein:
    http://www.veggie-hotels.de/4-0-Hotels.html

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  5. Tolle Fotos und Geschichten dazu - ganz besonders mag ich die toskanische Küste :-)

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  6. Ein wirklich schöner Toskana-Reisebericht! Bezüglich Orzomalto würde ich es über amazon.it probieren. Ist zwar ein +-Produkt, aber bei entsprechenden Mengen wird es vielleicht trotzdem nach Deutschland verschickt.

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