Sonntag, 1. Juni 2014

Vegan im türkischen Supermarkt - ein Hauch von Urlaub

Ich war letztens im türkischen Supermarkt auf Entdeckungstour, und das kam so:

Am 1. Mai haben ein paar Frankenthaler Veganer mit mir zusammen einen veganen Stand auf die Beine gestellt, wo wir veganen Döner und Kuchen verkauft haben. Wir fanden es passend, am Tag der Arbeit darauf hinzuweisen: Befreiung hört nicht beim Menschen auf!




Passend zu den Dönern habe ich Baklava angeboten, das ist extrem süßes türkisches Blätterteiggebäck mit Nuss- und/oder Pistazienfüllung. Dafür habe ich Yufkateig gebraucht, die türkische Variante von Strudel- oder Blätterteig. Also bin ich nach Ludwigshafen in einen großen türkischen Supermarkt gefahren und kam mir direkt vor wie im Urlaub. Und da es neben veganem Strudelteig noch jede Menge andere vegane Produkte zu entdecken gab, habe ich mich dazu entschieden, hier mal was dazu zu schreiben.   

Ich finde den türkischen Supermarkt sogar fast noch toller als die jüdischen Supermärkte, die ich in Wien so unter die Lupe genommen habe. Zur Erinnerung: Juden praktizieren eine strikte Trennung von Fleisch und Milchprodukten, darum sind viele Vorspeisen, Beilagen usw. frei von Milchprodukten und somit vegan (wenn kein Ei enthalten ist). Wenn etwas den jüdischen Speisegesetzen entspricht, bezeichnet man das als koscher. Auf koschere Weine bin ich in dem Israel-Beitrag von meiner Mutter mal eingegangen, diese sind nämlich immer vegan. Auch im Islam gibt es spezielle Speisegesetze. Allerdings trinken Moslems keinen Wein, da sie Alkohol meiden ;) Nach den muslimischen Speisegesetzen erlaubte Lebensmittel werden halal genannt. Hier sind einige für uns Veganer*innen interessante Sachen dabei.

Das betäubungslose Schächten von Tieren finde ich natürlich ganz schrecklich, aber wenn man hört, wie bei uns hier Tiere gehalten und geschlachtet werden trotz Tierschutzgesetz, dann sehe ich da keinen großen Unterschied. Im Islam hat übrigens der Tierschutz eigentlich eine große Rolle, Tiere dürfen nicht körperlich, aber auch nicht seelisch misshandelt werden.

Sehr informativ finde ich da die Seite www.halal.de, auf der u.a. mit dem Film Earthlings und der Tierrechtsorganisation PETA verlinkt wird. Außerdem gibt es kleine Auswahl an Zitaten vom Propheten Muhammad zum Umgang mit Tieren und Umwelt. Darüber hinaus gibt es auch eine Stellungnahme zum Thema Tierschutz im Islam (auch in Zusammenhang mit Schächten). U.a. wird auch erklärt, welche tierischen Zutaten z.B. im Essen sein könnten, was dazu führt, dass die Sachen dann nicht mehr halal sind.  

Wer einen Türkei-Urlaub plant, der findet diesen Beitrag und vor allem die Fülle an veganen Lebensmitteln im türkischen Supermarkt bestimmt interessant. Oder seid international interessiert an gutem Essen wie ich und probiert gerne mal was aus, dann ist dieser Post für Euch bestimmt auch interessant. Also ich finde türkisches Essen total super! Die Gewürze, viel Gemüse und Hülsenfrüchte, süßer schwarzer Tee…

Aber seht selbst:



Gefüllte Auberginen
Zucchini in Tomatensoße

Bohnen in Tomatensoße und gefüllte Zucchini
Haselnussaufstrich
Sesamaufstrich mit Traubensirup

Lokum
Achtung, das rote Lokum enthält Karmin!
Rosenkonfitüre
Feigen- und Quittenmarmelade
Johannisbrotsirup (Carob)
Grünkern
Hülsenfrüchte
Bulgur
Linsen
Türkische Tortellini
Halva mit Pistazien (da fährt mein Mann total drauf ab!)
Lokum mit Pistazien
Mango und Papaya
Ich selbst war erst einmal für 1 Tag in der Türkei, als ich während eines Urlaubs auf der griechischen Insel Rhodos einen Ausflug mit dem Schnellboot in das ca. 1 Stunde entfernte Marmaris wahrgenommen habe. Das ist allerdings schon wirklich sehr lange her und ich habe nicht mehr allzu viel Erinnerungen daran. Naja, ein Tag ist ja aber auch wirklich zu kurz um sich ein Bild machen zu können. Darum kann ich nicht viel über die Türkei sagen, außer dass die Wassermelonen extrem lecker geschmeckt haben, da sie wirklich zuckersüß waren. 

Übrigens bin ich heimlich (oder auch nicht ganz so heimlich) ein Fan der türkischen Kultur. Dazu gehört einmal das Essen und außerdem noch die überschwängliche Gastfreundschaft. Wahrscheinlich werde ich irgendwann mal wieder in die Türkei reisen, bisher waren mir andere Ziele aber wichtiger. Ich kann leider nicht überall sein ;)


"V"eltenbummler-Rezepte:

Die türkische Küche ist wirklich toll und absolut vielseitig. Hier ein paar meiner Rezepte für Euch:

İmam bayıldı (der Imam ist in Ohnmacht gefallen)


Zutaten für 4 Portionen:
  • 4 Auberginen 
  • 2 rote Spitzpaprika
  • 4 große Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 4 Tomaten
  • Petersilie
  • 1 TL Zucker
  • Salz, Pfeffer
  • Ölivenöl zum Braten
Im Prinzip verbergen sich hinter diesem Gericht gefüllte Auberginen. Angeblich bekam ein Vorbeter (Imam genannt) diese leckere Essen vorgesetzt und weil es so unglaublich köstlich war, ist er in Ohnmacht gefallen. Mmmmmmmmh! Das klingt gut, oder? Und so bereitet man die leckeren Auberginen zu: 

Damit die Auberginen nicht braun werden, bereitet man zuerst die Füllung zu. Dafür schält man die Zwiebeln und schneidet sie in feine Ringe, die Spitzpaprika verwandelt man in kleine Würfel. Dann brät man die Zwiebeln, Paprika und ausgepresste Knoblauchzehen in Olivenöl an, bis alles leicht angebräunt ist. Nun gibt man die kleingewürfelten Tomaten, den Zucker, Salz und Pfeffer hinzu und lässt das alles ein paar Minuten lang schmoren. Zum Schluss rührt man die gehackte Petersilie unter. 

Von den Auberginen schält man mit einem Gemüseschäler ca. 5 Streifen ab, sodass sie von außen aussehen wie ein Streifenhörnchen. Danach halbiert man sie und höhlt sie aus. Nun müssen die Auberginen von allen Seiten kurz angebraten werden. Anschließend legt man sie in eine Auflaufform und füllt sie mit der Tomaten-Paprika-Zwiebel-Masse und gart das Gemüse ca. 30 Minuten lang bei 180 Grad im Backofen. Dazu serviert man Reis und/oder grünen Salat. 


Kuru Fasölye (Türkische Bohnensuppe)


Zutaten:
  • 1 Dose weiße Bohnen (240g)
  • 2 mittelgroße Karotten
  • 2 große Tomaten
  • 1 Zwiebel
  • 200g Tofu
  • 3-4 EL Tomatenmark
  • Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Paprika (edelsüß)
  • Pulbiber (das ist das scharfe rote Dönergewürz)
Zuerst die Karotten schälen und klein würfeln, ebenso die Zwiebel. Kurz in Öl anbraten. Parallel den Tofu mit einer Gabel kleindrücken und mit in die Pfanne geben. Alles zusammen ca. 10 Minuten lang brutzeln lassen. Den Tofu würzen mit Kräutersalz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Paprika und einer Prise Pulbiber.

Dann 2 Tomaten grob würfeln und hinzufügen, ebenso die Bohnen. Die Dose mit Wasser füllen und die Suppe mit diesem Wasser aufgießen, 2 TL Gemüsebrühepulver einrühren. Dann das Tomatenmark unterrühren und die Suppe ca. eine halbe Stunde lang kochen lassen. Evtl. nochmal nachwürzen und fertig.

Das Rezept reicht für ca. 3 Portionen (oder 2 große Portionen), ich habe es auf 1 Dose Bohnen abgestimmt.


Sigara Börek


 
Diese zigarrenförmigen Teigrollen werden normalerweise vegetarisch mit Feta und Petersilie oder mit Hackfleisch gefüllt.

Klar, man kann Hack oder Feta je nach Würzung und Zubereitung auch durch Tofu ersetzen. Allerdings hatte ich Lust, etwas anderes auszuprobieren. Mein Mann hatte aus dem Edeka um die Ecke Wilmersburger Scheiben mitgebracht. Aber nicht die normalen, sondern die mit Pilzen, die sind besonders lecker und haben einen eigenen Geschmack.

Zutaten:
  • 1 Packung dreieckiger Yufkateig
  • 2 Packungen Wilmersburger SCHEIBEN (Pilze)
  • 1 Bund Petersilie
  • Olivenöl
Die Wilmersburger Scheiben in kleine Würfel schneiden und die Petersilie hacken. Die Yufkablätter leicht mit Olivenöl beträufeln, etwas Wilmersburger und Petersilie darauf verteilen und dann aufrollen wir in diesem Video beschrieben. Danach kurz in Olivenöl frittieren.


Pide mit Seitanhack



Zutaten für 4 Stück:
  • 250g Mehl
  • 10g Hefe
  • 1 Prise Salz
  • 120 ml lauwarmes Wasser
Für das Hackvleisch:
  • 175g Glutenpulver
  • 3 El Hefeflocken
  • 120 ml Wasser
  • 30 ml Olivenöl
  • 1 Liter heiße Gemüsebrühe
  • 2 EL Sojasauce
  • Gyrosgewürz
  • 1 Knoblauchzehe 
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 1 Bund Petersilie
  • Seidentofu (oder Sojajoghurt)
Zuerst das Glutenpulver mit den Hefeflocken, der ausgepressten Knoblauchzehe und dem Gyrosgewürz verrühren. Das Wasser mit dem Öl verrühren und unterrühren. 1 Liter Wasser abkochen, Gemüsebrühepulver unterrühren und ebenfalls 2 EL Sojasauce. Danach das "Hack" mit der Flüssigkeit übergießen und ca. eine halbe Stunde lang stehen lassen.

Nun den Teig zubereiten und dann ca. eine halbe Stunde lang an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen. Den Teig viertel und jedes Stück zuerst zu einer Kugel formen und dann auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem ovalen Fladen ausrollen.

Das Hack wird nun durch ein Sieb gegossen und ein wenig ausgedrückt. Dann Frühlingszwiebeln klein schneiden und in etwas Öl anbraten, das Hack hinzugeben und nach Geschmack mit Gyrosgewürz würzen. Wenn es schön braun ist, einfach gehackte Petersilie unterrühren und vom Herd nehmen.

Die Teiffladen mit Seidentofu bestreichen und das Hack hinzugeben. Dann die Ränder hochklappen. Die Ränder mit etwas Margarine oder Seidentofu einpinseln. Bei 230 Grad 15-20 Minuten im Ofen backen. Nach der Backzeit nochmal die Ränder mit Margarine bepinseln. Sehr lecker! Damit die Pide noch würziger und saftiger wird, würde ich empfehlen, zusammen mit dem Hack und den Frühlingszwiebeln auch etwas rote Spitzpaprika und Tomaten anzubraten.


Baklava 


Zutaten:

  • 1 Packung Yufkateig für Baklava
  • 150g Walnüsse
  • 150g Pistazien
  • 2 Kardamomkapseln
  • 200g Margarine
  • 300g Zucker
  • 400 ml Wasser 
  • 2 TL Zitronensaft
300 g Zucker
400 ml Wasser1 TL Zitronensaft
Am Anfang bereitet man den Sirup zu. Dafür erwärmt man das Wasser mit dem Zucker und dem Zitronensaft und rührt solange, bis sich der ganze Zucker aufgelöst hat. Danach kurz aufkochen und ca. 15 Minuten lang zu einem Sirup einkochen lassen. Wer mag, ersetzt einen Teil des Wassers durch Rosenwasser. Den Sirup etwas abkühlen lassen.

Für die Füllung werden die Nüsse und die Pistazien gemahlen. Kardamom ebenfalls mahlen und unter die Nussmischung rühren.

Nun pinselt man das Blech mit etwas Margarine oder Öl ein. Immer zwei Teigblätter übereinander auf das Blech legen, mit geschmolzener Margarine bepinseln, bis man die Hälfte des Teigs verbraucht hat. Dann die Nussmischung gleichmäßig darauf verteilen und wieder mit je 2 Teigblättern bedecken, mit Margarine einpinseln usw.

Zum Schluss schneidet man die Baklava in mundgerechte quadratische Stücke und gießt den Rest der geschmolzenen Margarine obendrüber. Nun das Blech in den auf 180 Grad vorgeheizten Ofen schieben und 25 Minuten backen. Anschließend mit dem Sirup begießen. Wer mag, kann zur Deko noch etwas kleingehackte Pistazien drüberstreuen. Die süßen Teilchen müssen nun für einige Stunden stehen bleiben, bis sie sich schön mit dem Sirup vollgesogen haben.


 Afiyet olsun! Guten Appetit!


Wer sich für türkisches Essen interessiert, der sollte sich mal Özlems Blog Vegan Delight anschauen, da sind viele türkische vegane Leckereien dabei:
www.vegandelight1.blogspot.de


Kommentare:

  1. Danke für den tollen Bericht zur türkischen Küche!! War letztes Jahr im Herbst in Istanbul, da hab ich in den Restaurants auch immer was Leckeres gefunden. Ganz toll sind auch meze, die Vorspeisen. Da gab es eine mit Auberginen und anderem Gemüse (kalt), ich komme nicht mehr auf den Namen, aber das war soo lecker und sättigend!

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  2. Eine schöne Aufstellung, danke! Auf den "Türkischen Tortellini" kann man allerdings als Zutat "Ei" lesen. Ich hatte mich schon gewundert, weil ich die letztens auch in der Hand hatte und leider wieder weglegen musste.

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  3. Bei uns hat um die Ecke auch ein türkischer Supermarkt aufgemacht mit zum Teil veganen Köstlichkeiten. Mir taugt das voll! Da erinnere ich mich an meinen super tollen Türkei Urlaub zurück letzten Sommer.

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  4. Uiii wie cool. Tahin Pekmez! Da werden leckere Erinnerungen wach :) Habe ich auch in meinem letzten Türkei Urlaub entdeckt, super lecker das Zeug

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