Sonntag, 19. Januar 2014

Vegan in Thailand - Gastbeitrag von Regina von muc.veg

Dieses Mal ist Regina von muc.veg zu Gast auf meinem Blog. Ich durfte Regina schon zweimal treffen, nämlich auf dem VSD in Stuttgart 2013 und im gleichen Jahr bei der Veganmania in München. Sie lebt in München und auf ihrem Blog geht es vor allem um Veganismus und Yoga. Auch sie ist viel unterwegs und es lohnt sich immer, mal bei ihr vorbeizuschauen. Und Regina ist dazu noch supernett und ich hoffe, wir treffen uns mal bei schönem Wetter oder beim nächsten Mal eben einfach irgendwo drinnen. Vielen lieben Dank für den schönen Thailand-Bericht!



Sawadikaa! 

Ich bin Regina, Bloggerin von muc.veg und freue mich, euch hier bei Linda über meinen Thailandurlaub berichten zu dürfen. Seit anderthalb Jahren (seit August 2012) lebe ich vegan. Zuvor war ich 14 Jahre Vegetarierin. Als Vegetarier war ich mit meinem Freund bereits im Februar 2010 in Thailand – genau genommen auf der kleinen Insel Ko Pangan und in Bangkok. Dabei hatte ich lernen müssen, dass die Thailänder an fast jedes Gericht Fisch- oder Austernsoße machen – zudem sind diese beiden Bestandteile zu 99% in sämtlichen (Fertig-)Currypasten und Soßen enthalten, so beispielsweise auch im traditionellen (und sehr leckeren) Pad Thai (Reisnudeln mit Sprossen, Nüssen, Tofu und Ei – und eben einer Sauce aus Tamarind, Fischsauce, Palmsugar und Chili). Das machte uns auch Chef Tummy – ein Koch aus Kanada, bei dem wir während unseres Aufenthaltes auf Ko Pangan einen thailändischen Kochkurs absolviert hatten (der sehr zu empfehlen ist), deutlich. Damals, als ich Vegetarier war, hab ich das gegessen, auch wenn ich ein schlechtes Gewissen dabei hatte. Die Thailänder nehmen “vegetarisch” halt einfach nicht so ernst, hatte ich gedacht...








Phuket / Patong

Da wir immer wieder etwas anderes in einem Land sehen wollen, haben wir uns dieses Jahr Phuket als Ziel ausgesucht. Zum einen, weil es auf der anderen Seite Thailands liegt und eine größere Insel ist. Zudem nahmen wir an, dass man dort bestimmt vegan essen kann und zum anderen, weil es dort viele airbnb-Angebote gab (und es einen günstigen Direktflug von Singapur, wo wir zuvor ein paar Tage stoppten, gab). So landeten wir in Patong.

Ko Pangan war 2010 kaum touristisch erschlossen. Die kleine Nachbarinsel von Ko Samui war eigentlich nur für ihre Full Moon Party bekannt und der Rest der Insel war fast noch Natur pur. Patong hingegen  ist quasi der asiatische Ballermann (plus Dreck, Ladyboys und Prostitution...). Ein Schock für mich nach vier Tagen in dem sauberen Singapur. Aber wir fanden bei airbnb ein sehr schönes Apartment mit Pool auf dem Dach, das am Stadtrand lag. Das Apartment hatte auch den Vorteil, dass wir uns im Kühlschrank Essen und Früchte lagern konnten. Und wir verbrachten eigentlich die wenigsten Tage tatsächlich in Patong. Aber es gab dort auch große (und viele kleine) Supermärkte, super viele Garküchen und sogar zwei vegetarische/vegane Restaurants (eins davon wird von einer Thailänderin geführt, die ein paar Jahre in München gelebt hat und etwas Deutsch spricht). Überall auf der Insel sind die Betreiber der vegetarischen Stände sehr freundlich und lassen einen auch mal etwas probieren. Sie wirken sogar regelrecht stolz, wenn man nachfragt, ob alles vegan ist. 
 
Blick in den Kühlschrank

 






Jay (thailändisch: เจ) 

In diesem Urlaub – so als Veganerin – wollte ich die Sache mit der Fischsauce ernst nehmen und hab mich vorab gut informiert. So erfuhr ich beispielsweise über das Vegetarian Festival auf Phuket, was jährlich im Oktober stattfindet. Im Rahmen der Recherche lernte ich aber vor allem das Zeichen เจ (Jay / Jeh) kennen. Es sieht aus wie eine 17 und wird meist mit roter Schrift auf gelbem Grund abgebildet.

Wenn man als Veganer in Thailand reist, sollte man sich an dieses Zeichen halten, denn es kommt der veganen Ernährung am nächsten und geht darüber sogar noch hinaus, weil das Essen den Körper und das eigene Kharma reinigen soll. Jay bedeutet: Kein Fleisch, kein Fisch und auch keine Tierprodukte (wie Fisch- oder Austernsauce). Dazu heißt es auch, dass weder Knoblauch noch Zwiebeln in den Gerichten verwendet werden. Wenn also etwas Jay/Jeh ist, dann ist es auch vegan.








Ursprünglich stammt der Begriff Jay von der östlichen Religion „Jainismus“, deren Mönche und Nonnen stark an Gewaltlosigkeit glaubten und entsprechend nur Früchte und Bohnen aßen. Der Konsum von Kartoffeln, Knoblauch oder Zwiebeln führt hingegen zum Tot der Pflanze, weswegen diese Zutaten nicht verwendet wurden. Früher wurde scheinbar viel Öl und Fett in den Gerichten verwendet, was heutzutage aber nicht mehr der Fall ist – dafür lassen sich viele „fakes“ (Tofu und Soja) in den Töpfen der Garküchen finden.

Es gibt spezielle Jay-Food-Stände und Restaurants, die leicht an ihren gelb-roten Plakaten und Flaggen mit dem เจ / Jay zu erkennen sind. Sie bieten dann nur Jay-Essen, also vegane/vegetarische Speisen an. Das Zeichen lässt sich auch in den Supermärkten auf einigen Produktpackungen finden. 

Wenn man einmal das Zeichen entdeckt hat, springt es einen geradezu ins Auge – so haben wir bei unseren Erkundungstouren mit dem Scooter viele kleinere und größere Jay-Restaurants gesehen und ausprobiert.












Neben den speziellen Jay-Ständen kann man auch in größeren Restaurants nach Jay-Essen fragen, da alle Thailänder die Bedeutung davon kennen. Aber nicht alle (wohl eher auch die wenigsten) können/wollen danach kochen. Zur Not gibt es einfach auch gekochten Reis (ca. 10 THB) mit Sojasauce. Oder man sagt dazu einfach „Mai sai nam pla“ (ohne Fischsauce), was ich von Jean-Christian Jury (La Mano Verde, Berlin) lernte. Ich war aber überrascht, wie viele Jay-Stände auf Phuket verteilt sind – vor allem auch in abgelegenen Regionen. An der Ostküste (Phukettown und Chalong) gibt es gefühlt die meisten vegetarisch/veganen Stände. In Phukettown gibt es dazu noch den chinesisch-taoistischen Tempel „Jui Tui“, der dem Vegetariergott Kiu Wong geweiht ist und wo während des Vegetarien Festivals viele Zeremonien stattfinden.









Dazu gibt es in der Nähe von Chalong (Ostküste) sogar einige Rohkost-Restaurants, wie das SuperNatural im Friendship Beach Resort (wo wir den geilsten Raw-Cheesecake ever gegessen haben und uns auch veganes Pad Thai serviert wurde) und das Atsumi Raw Cafe (hier gab es geeiste Appletarte und Strawberry Cheesecake). Apropos Café – in Thailand gibt es in (fast) jedem Coffee-Shop natürlich auch Sojamilch für den Kaffee.







Wir wussten eigentlich nie so genau, was wir da an den Jay-Ständen bestellten. Ich habe anfangs mit der Taktik das ausgewählt, wovon am wenigsten da war (weil ich dachte, das wäre das beliebteste Essen). Später bin ich dazu übergegangen einfach nach Gefühl zu bestellen, aber dabei landete manchmal etwas sauer eingelegtes auf meinem Teller. Das war nicht ganz so mein Geschmack. Und am Ende suchte ich immer nach Gerichten mit Thai-Basilikum, weil mich dieser Geschmack einfach umhaut und dies auch meist die schärfsten Gerichte waren. 

An den Garküchen nimmt man einfach Reis und dazu ein oder zwei Gerichte aus den Töpfen (kostet ca. 40 THB – ist aber irgendwie immer abhängig von den ausgewählten Gerichten). Das Preissystem haben wir aber bis zum Ende nicht verstanden. Die netten Thais warnen einen auch, wenn etwas „spicy“ (scharf) ist. In größeren Restaurants erhält man auch einen Teller mit frischer Gurke und Thai-Basilikum, um die Geschmacksnerven zwischendurch zu beruhigen. 

Man kann dann vor Ort essen oder alles zum mitnehmen bestellen. Dann wird jedes Gericht in einem einzelnen Plastikbeutel verstaut. Auf den Tischen steht immer auch das so genannte Nam Pla – Chili in Essigsauce und Zucker zum Schärfen bzw. Entschärfen der Gerichte. 



Ansonsten kann man sich als Veganer auch an den unzähligen Obstständen ernähren – das war meine Taktik morgens: Frisch geschnittenes Obst zusammengewürfelt als Obstsalat. Ein Traum! Vor allem weil die exotischen Früchte (Ananas, Mango, Papaya, Dragonfruit etc) alle herrlich reif waren. So war unser Kühlschrank meist auch gefüllt mit frischem Obst. 

 

Und hier noch ein paar Impressionen von Phuket:














Kommentare:

  1. Hallo Linda, I am happy you discovered Ko Ma, great spot I was there first time in 1984! Enjoy your trip and hope to see you soon in Berlin. Jean (La Mano Verde)

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  2. Dear Jean, it wasn't me, it was a friend of mine ;) By the way: I love your restaurant!

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  3. oh mein gott. ich will SOFORT WIEDER NACH THAILAND!!!!!!

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  4. Hallo.
    Vielen Dank für den tollen Beitrag und den Tipp mit der "17". Ich werde nächstes Jahr auch nach Thailand reisen und hatte schon Sorge, dass ich in den Garküchen nichts finden bzw. identifizieren könnte. Aber mit dem Hinweis, hört sich das ja gar nicht mal so kompliziert an :)

    Liebe Grüße
    Svenja

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  5. Hallo Mädels!
    Ich bin gerade aus Thailand zurück gekommen und habe die ganze Zeit schwer gelitten. HÄTTE ICH DIESEN ARTIKEL doch bloß schon eher gelesen. ... witzigerweise hatte eine Kellnerin am Flughafen in Bangkok mir den Tipp mit Jay gegeben. Bei meiner Recherche bin ich dann auf des Rätsels Lösung -> diesen Artikel - gestoßen.
    Mein nächster Urlaub ist gerettet!!!

    ;)

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