Montag, 23. Dezember 2013

Meine Meinung zu Vegetariern und Leuten, die "nur ganz wenig Fleisch" essen

Weihnachten ist das Fest der Liebe und weil ich das große Glück habe, so viele tolle Menschen um mich herum zu haben, die ich sehr lieb habe, will ich hier mal etwas Liebe versprühen. Ganz speziell geht das heute in Richtung meiner Arbeitskollegen.

Ich kuschle mit Vegetariern (wie z.B. mit meiner Kollegin Julia) und ich beschimpfe keine Menschen, die Fleisch essen. Das musste mal raus,weil ich in letzter Zeit öfter mal auf Facebook so Begriffe gelesen habe wie "Vegetarierkuscheln" (also das Symphatisieren mit Vegetariern, obwohl die doch auch für Tiermord und -leid verantwortlich sind) oder dass es eben nicht ein Anfang sei, weniger Fleisch oder nur Bio-Fleisch zu essen. Mmmmmh, ich habe dazu ja eine ganz eigene Meinung. Nämlich die, dass wir alle nicht vegan auf die Welt gekommen sind. Und einen Vegetarier als Mörder zu beschimpfen oder zu sagen "Wir stehen nicht auf der selben Seite", bringt die Leute auch nicht dazu, vegan zu leben. Es macht in meinen Augen schon einen Unterschied, wenn ein Tier einigermaßen ein gutes Leben gehabt hat, bevor es geschlachtet worden ist. Das wäre für mich dann zwar keine Ausrede, trotzdem Fleisch zu essen. Aber ich finde es toll, wenn Menschen zumindest weniger Fleisch essen. Zu sagen, dass das nichts bringt oder kein guter Anfang ist, sehe ich als falsch an. Klar sollte das nur ein Schritt auf dem Weg zu einem kompletten Verzicht auf tierische Produkte sein. Das wäre schön. Aber wir werden die Welt nicht vegan machen können. Doch wir können auf Missstände aufmerksam machen, zeigen wie toll man essen kann ohne Fleisch, Milchprodukte, Eier und Honig und wir können uns darüber freuen, dass einige zumindest vegetarisch leben oder ein bisschen weniger Fleisch essen. Jede Mahlzeit zählt!


Ich backe sehr gerne und bringe die süßen Leckereien dann mit ins Büro, um alle mal probieren zu lassen. Bei Bürofeiern gab es schon Tofufrikadellen, veganen Eiersalat, Mett aus Reiswaffeln, Kartoffelsalat mit Räuchertofu und alles kam bisher echt gut an. Die Angst vor dem Tofu ist gebrochen ;) Die meisten alzeptieren meine Lebensweise mittlerweile und es wird nicht mehr ganz so oft die Nase gerümpft (außer bei meinen grünen Smoothies o.ä.). Klar kommt noch dazu, dass ich ganz tolle Kollegen habe. Aber ein bisschen liegt es wohl auch daran, dass ich selbst ziemlich toll und offen gegenüber anderen Menschen bin (oh je, Eigenlob stinkt!). Die Art und Weise, wie wir uns verhalten, fällt nicht nur auf uns zurück, sondern auf alle Veganerinnen und Veganer.



Aber auch außerhalb der Bürofeiern bringe ich gerne und oft vegane Leckereien mit. Ich koche z.B. besonders gerne für meine Kollegin Julia oder für meinen Kollegen Peter. Kürzlich gab es Rührtofu in der Mittagspause. Ich finde es klasse, dass die beiden alles probieren und geschmeckt hat es ihnen auch. Und das ist ja wohl die Hauptsache. Spaghetti Bolognese habe ich auch schonmal für ein paar Leute gekocht und die waren alle ganz baff, dass es wie "echte" Bolognese schmeckt ;)


Rührtofu für Julia, Peter und mich in der Mittagspause
Vegane Bolognese für 5 meiner Kollegen (die waren alle neugierig und meinten hinterher, es habe wie "echte" Bolognese geschmeckt)

Letztens hat Peter sich gewünscht, mal Tempeh zu probieren und sein Wunsch ist mir Befehl. Darum habe ich mal abends was Feines für meinen Mann und mich gekocht und am nächsten Tag die Reste mit ins Büro genommen. Auch das wurde sehr gelobt.

Dafür haben meine Kollegen mir auch schon öfter (um ehrlich zu sein sogar schon richtig oft) mal was Veganes mitgebracht.
Rote Beete-Eintopf von Julia
California White Cupcakes mit Lemon Frosting von meiner Kollegin Steffi (sie kocht übrigens öfter mal auch für sich selbst vegan)
Bürofrühstück und für mich gab es extra Kichererbsenaufstrich von Alnatura
Weltbeste Pastasoße aus Tim Mälzers "Greenbox", gekocht von Peters lieber Frau Sabrina und ich bekam eine Portion ab

Wodka Red Bull Cupcakes von Julia
Süßkram, mitgebracht von meinem direkten Kollegen Alexis

Ritter Sport Marzipan Mini von Alexis
Bürofeier mit extra Kokos-Limetten-Pasta für die Veggies (es gab auch noch vegetarische Gemüselasagne und Obstsalat)

Ostersüßigkeit mit dunkler Schoki von meiner Kollegin Astrid
Einer der Werksstudenten hat Kuchen für seinen Ausstand mitgebracht und für mich gab es veganen Schokoladenkuchen

Tolles Geburtstagsgeschenk von meiner Kollegin Petra: selbstgemachter Erdbeer Limes
Weihnachtsgeschenke vom letzten Jahr: Zutaten und Rezept für eine exotische Linsen-Curry-Suppe, Caipirinha-Gelee, gebrannte Erdnüsse und dunkle Schoki

Bei der Mai-Kundgebung auf dem Rathausplatz dieses Jahr haben am Stand der Gewerkschaft auch einige Kollegen von unserem Betriebsrat ausgeholfen. Ein Kollege war aus meiner Abteilung und er hat mir meine mitgebrachten Wheaty-Bratwürste auf den Grill gelegt (extra ganz außen, wo sie nicht mit Fleisch in Berührung kommen) und die Brötchen und den Senf bekamen wir dann sogar noch geschenkt ;)


Auf jeder Feier in unserer Abteilung gibt es wirklich mittlerweile eine große Auswahl für mich:

Beispiel für eine "ganz normale" Geburtstagsfeier bei uns im Büro: Kartoffelsalat mit Rüchertofu, Wilmersburger Scheiben, Salat und Rohkost

Außerdem gab es noch Rote-Grütze-Streuselkuchen von Petra, Fanta-Kuchen von Alexis und zum Schluss nochmal alles auf einem Teller mit einer veganen Waffel (die war von mir) mit Chocoreale
Für eine andere Feier hat meine Kollegin Anita vegane Bananen-Schoko-Muffins gezaubert

Vor Kurzem im Büro: "Linda, isst Du Käse? Nein. Isst Du Frischkäse mit Kräutern? Nein. Ja sag mal, was ist Du denn dann so? Obst und Gemüse!" Also gab es zum 60. Geburtstag eines meiner längsten und tollsten Kollegen extra für mich Schnittchen mit Obst und Gemüse. Ich schmeiß mich weg:D

Von Bekehrungsversuchen halte ich nicht viel, man kann niemanden zwingen, auf etwas zu verzichten. Man kann höchstens etwas positiv vorleben un dann besteht evtl. die Chance, das jemand sich davon isnpiriert fühlt. Ich beglücke lieber meine Mitmenschen mit leckerem Essen, als ihnen etwas vermiesen zu wollen. 

Ein Korb mit veganen Ostersüßigeiten, den ich für meine Kollegen mitgebracht habe

Möhren-Haselnuss-Muffins mit Marzipanhaube zu Ostern

Zu Halloween hab es Zombie-Muffins mit Schoklade und Kaffee
Grüne Monster-Muffins mit Gehirnen (also mit Walnüssen und Bananen)
Vegan kann Spaß machen - vor allem mit solchen Arbeitskollegen

Als ich vegan geworden bin, hat mein Mann auch erstmal nur noch Biofleisch gegessen und nun isst er fast gar kein Fleisch mehr. Und das soll nichts wert sein? Oh doch, das ist sogar sehr viel wert! Dadurch wurden auch schon Diskussionen bei ihm auf der Arbeit angestoßen und durch mein Vorleben haben auch schon Freunde die ein oder andere Mahlzeit vegan gestaltet. 

Meine Freundin Natascha (sie hat hier auch schon den ein oder anderen tollen Gastbeitrag beigesteuert) war früher auch eine Arbeitskollegin. Sie hat mitbekommen, dass andere Kollegen mich auf Veganismus und die Gründe dafür angesprochen haben und sie hat zugehört, was ich so dazu geantwortet habe. Sie hat gesehen, dass ich nicht auf die Leute zugegangen bin, sondern dass die anderen neugierig zu mir kamen. Und daraufhin hat sie selsbt angefangen zu recherchieren, hat zuerst Bio-Fleisch gekauft, wurde dannn sehr schnell Vegetarierin und nach ein paar Wochen sogar Veganerin. Somit waren wir schon 2 im Büro. Und wahrscheinlich habe ich dazu keinen kleinen Teil begetragen. Wenn andere diesen Weg nicht einschlagen, müssen wir das aber auch akzeptieren.

Ich lebe vegan und das ist gut so. Aber ich werde andere Menschen nicht dafür verurteilen, dass sie es nicht tun. Ich werde weiterhin fröhlich kochen und backen und andere daran teilhaben lassen und der Welt zeigen, wie toll es ist, vegan zu leben. Für mich. Und vielleicht entdeckt jemand, dass es für sie/ihn auch der richtige Weg ist.

Wem bringt es denn was, wenn ich mich zurückziehe, an Bürofeiern nicht mehr teilnehme und andere ständig zurechtweise und belehre? Das bringt den Tieren nix und auch sonst niemandem.

Darum habe ich auch bei der Weihnachtsfeier letzte Woche mitgemacht und auch was zu Essen mitgebracht.


Lebkuchen vom Blech mit Walnüssen und Cranberries (laut Peter das Beste, was ich jemals mitgebracht habe) - den gab es zu Nikolausi anstelle von Geschenken
Tofu-Haferflocken-Frikadellen, Feldsalat von meinem Kollegen Jörg und Krautsalat von einer anderen Kollegin
Da sind sie wieder, die Tofu-Frikadellen, gezaubert von meinem Mann
Und ich habe noch Mousse au Chocolat mit Hulala mitgebracht (konnte fast keiner glauben, dass das vegan war)
Julia hat vegane Brownies gebacken und verschenkt. Und nicht nur an mich, sondern auch an andere. Das ist noch viel toller, als wenn ich etwas extra bekommen würde. So haben mehrere Kollegen was Veganes bekommen.
Weihnachtsgeschenk von meiner Kollegin Steffi (extra nicht aus Leder): eine tolle Hülle für Reiseunterlagen
Und von Peter ein selbstgemachter Weihnachtslikör und Zimtblüten (was man mit denen macht, muss ich mir erstmal googlen)
Und das gab es von mir für diverse Kollegen: Glühwein-Marmelade, Bratapfel-Marmelade, weihnachtliche Bruchschokolade, Rumkugeln, gebrannte Mandeln mit Lebkuchen-Gewürz und Chili-Rauch-Mandeln
 
Die Rezepte für die Geschenke aus meiner Küche folgen dann morgen an Heilig Abend. Ansonsten wünsche ich all meinen Leserinnen und Lesern fröhliche Weihnachten und ich hoffe, Ihr seht das mit der Toleranz und Offenheit genauso wie ich. Denkt dran: VEGAN MEANS LOVE!

Kommentare:

  1. Sehr schöner und vor allem leckerer post. sehe das alles sehr ähnlich, habe allerdings auch keine veganen Freunde, "nur" Vega für rundliche..meine beste Freundin ist mittlerweile Vegetarierin und eine andere Freundin ebenfalls. Generell sind relativ viele Menschen in meinem Umfeld zu Vegetariern geworden. Finde das toll und unterstütze es total. Es zählt soviel mehr als das...

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  2. Hast du ein tolles Team um dich! <3

    Und ich bin froh, dass ich mich aus so gut wie allen FB-Gruppen raushalte. Dadurch bleibt mir anscheinend einiges erspart^^ Man, man, man. Einfach mal entspannen und sich über die kleinen Schritte freuen...

    Liebe Grüße von einer "Fast-Veganerin" ;)
    Kathrin

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  3. So "missioniere" ich auch gern. Vegane Zimtschnecken fr meine Mitstudenten, vegane Kekse für meine Familie, veganes Essen für Besuch.

    Spontan musste ich bei deinem Titel an die Leute denken, die - wenn man ihnen sagt, man isst vegan/kein fleisch, immer sagen "Ich esse auch nur ganz wenig Fleisch."
    Das ist dann aber irgendwie ein Phänomen, das mich aufregt. Als denken alle, man müsste sich rechtfertigen.

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  4. Liebe andere Linda,

    das hast du wirklich super geschrieben! Ich kann dir da nur 100% zustimmen.
    Ich fahre so (abgesehen von einigen Umwegen am Anfang meiner "Veganzeit" und zwischen durch) auch am besten. :)

    Was man gerne mal vergisst, wenn man zuviel in der virtuellen Welt unterwegs ist (wie zb. Fäjsbuck :D), ist, dass es im realen Leben anders aus sieht. Sogut wie alle meine Freunde und Verwandten, sogar meine Familie essen Fleisch. Aber viele davon sind so wunderbare, liebe Menschen, dass man sie eigentlich nur knuddeln möchte.
    Heute kam zb. ein Weinachtspaket von einer (Fleisch essenden ;)) Freundin an, vollgestopft mit wunderbaren veganen Kleinigkeiten. Sie hat sich so eine Mühe gemacht und sich informiert..

    Es ist so schade, dass man sich gegenseitig so "fertig machen" muss. :(

    Deine Kollegen sind wirklich toll! Ich wünsche dir und deiner Familie eine besinnliche und erholsame Weihnachtszeit. :)

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  5. Ohh. Was für ein schöner Beitrag.
    Mein Mann isst inzwischen auch zu Hause 100% vegan und nur unterwegs und zu Besuch mal vegetarisch. Und ganz selten auch mal Fleisch (höchstens einmal im Monat). Natürlich fänd ich es besser, wenn er ganz vegan wäre. Aber ich finde, dass auch er 1000 mal "besser" lebt als viele andere...
    Wenn wirklich alle nur gaaaanz selten Fleisch essen würden (und das nicht nur behaupten), ganz ehrlich, dann könnte man die Tiere auch wirklich besser halten und behandeln. Oder? Dann bräuchte man keine Massentierhaltung mehr, oder?

    Liebe Grüße!

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  6. Meine Rede! Ich erinnere mich immer daran, wie ich noch vor zwei Jahren gesagt habe: "Vegan? Das könnte ich nicht." Deshalb finde ich es so wichtig, andere mit guten Rezepten zu begeistern, anstatt sich abzuwenden. Klar, manchmal würde man lieber nicht mit am Tisch sitzen, wenn sich die anderen über Kalbfleisch unterhalten, aber dafür gibt es so oft kleine Erfolge und die Leute kommen auf den Geschmack, wenn man den Genuss vorlebt.

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  7. Ich seh das genauso, mein Weihachts-Posting wird sich auch darum drehen. Auch die kleinen Schitte zählen. Die zählen sogar am meisten. :) Vor allem, wenn sie fast von selbst kommen.

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  8. ich finde auch, dass man es entspannt sehen sollte, zumal ja kaum jemand komplett vegan aufgewachsen ist. wir haben alle unsere zeit gebraucht, bei manchen ging es schneller als bei anderen. und auch wenn jemand "nur" vegetarisch lebt, ist das schon mal ein super schritt. letztendlich ziehen alle an einem strang...

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  9. Hi Linda, prima geschrieben.
    So mache ich es auch. Vorleben, nicht missionieren.
    Liebe Grüsse nach Frankedal von Alzey
    Kurt

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  10. Neid, so tolle Kollegen! Ich bekomme immer noch jedes Weihnachten und Ostern Lindt Vollmilch Figuren hingestellt, wo doch jeder weiß, dass ich vegan bin und mit ein bisschen Interesse zur Zartbitter Sorte greifen könnte. Oder wenn es mal Frühstück gibt, dann bekomme ich zwar Brötchen, bei denen extra nach vegan gefragt wurde, aber nichts drauf bzw. einmal als einziges eine Avocado. Und Essen gehen ist entweder im Landgasthof mit eigenem Wildpark für das Wild auf der Karte oder Steakhaus mit Blick auf Reithalle. Bleibt immer nur Salat und Pommes und jeder denkt sich dann, so kann man ja nicht leben. Ich bring zwar häufiger Kuchen mit, er auch gern gegessen wird, aber trotzdem bleibt für die vegan leben quasi religiöse Spinnerei.

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