Samstag, 11. Mai 2013

Interview mit Christof Herrmann von "Einfach bewusst"

Kennt Ihr schon Christof von einfachbewusst? Letzten Sommer hat er zu Fuß die Alpen überquert. Darüber und über einiges mehr erzählt er uns heute.


Lieber Christof,

seit Januar 2013 schreibst Du auf dem Blog Einfach bewusst über Minimalismus und Nachhaltigkeit im Alltag, aber auch auf Reisen. Danke, dass Du mir ein paar Fragen beantwortest. 

Du hast etwas Außergewöhnliches geschafft, nämlich letztes Jahr zu Fuß von München nach Venedig zu laufen. Wie kommt man auf so eine Idee?

Ich bin sogar von meiner Haustür in Forchheim aus, also in Oberfranken, losgelaufen. Nach zwei Wochen stand ich dann auf dem Marienplatz in München, wo die eigentliche Alpenüberquerung startete. Als ich vor über 20 Jahren von dem Traumpfad München – Venedig las, wusste ich, dass ich einmal diesen Weg laufen werde. Letztes Jahr war die Zeit reif, diesen Traum zu verwirklichen.



 
Venedig
Finale Grande am Canale Grande



Haben sich Deine Erwartungen erfüllt?
Absolut. Es war eine der unvergesslichsten Reisen meines Lebens. Dass ich aber mehrmals physisch wie psychisch an meine Grenzen kommen sollte, hätte ich nicht gedacht. Unterwegs traf ich mehrere Wanderer, die aus unterschiedlichen Gründen abbrechen mussten. Die meisten anderen schummelten an der einen oder anderen Etappe und nahmen die Seilbahn oder den Bus. Ich biss mich durch und lief auch wirklich jeden Meter.



Gab es unterwegs auch weniger schöne Erlebnisse und was sind Deine schönsten Erinnerungen an diesen Trip?
Im Karwendel begleitete mich meine Freundin Stephi ein paar Tage lang. Beim Aufstieg zum Schlauchkarsattel entgingen wir nur knapp einem fatalen Unfall. Holländer hatte über uns einen handballgroßen Stein losgetreten und uns nicht gewarnt. Der Brocken flog keinen halben Meter über uns hinweg in die Tiefe. Im Anschluss wartete der lange Abstieg vom Schlauchkarsattel zur Kastenalm auf uns. Der Pfad ging extrem steil im Fels hinab und war mit Stahlseilen und Trittbügeln versichert. Ein falscher Tritt und es wäre der letzte gewesen. Ich war froh, dass ich meine Freundin dabei hatte, die in den letzten Jahren oft in den Alpen war. Sie konnte mir an den schwierigen Stellen, an denen ich teils recht hilflos im Fels hing, unter die Arme greifen. Einer der schönsten Momente war dann sicher, als wir nach dem fünfeinhalb Stunden langen, gefährlichen Abstieg die urige Kastenalm erreichten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie stolz und erleichtert ich war. Stephi und ich waren völlig ausgetrocknet und bestellten auf der Alm erst mal acht Getränke!
Stephi beim Abstieg vom Schlauchkarsattel

Traumhafte Kulisse am Junsee
Blick von der Olperer Hütte auf den Schlegeisspeicher und den Zillertaler Hauptalpenkamm
 
Du hast ja damals für diese Erfahrung Deinen Job aufgegeben. Hätte man Dich nicht unbezahlt freistellen können oder warum hast Du diese krasse Entscheidung getroffen? Wie verdienst Du heute Deinen Lebensunterhalt?
Ich habe bewusst meinen Job aufgegeben. Auch wenn ich Informatik studiert habe, musste ich im Laufe der Jahre erkennen, dass das Programmieren einfach nicht meine Leidenschaft ist. Ich möchte aber, dass Leidenschaften mein Leben bestimmen. Deswegen mache ich mich jetzt als freier Autor selbstständig. Im letzten Jahr erschien bereits mein erstes Buch „Biergartenwanderungen Fränkische Schweiz“, ein zweites Buch ist in der Mache.

Du bist außerdem Vegetarier bist. Seit wann genau lebst Du fleischlos und war das unterwegs ein Problem? 
Nach einem traurigen Erlebnis 2007 mit einem Hund habe ich peu a peu meinen Fleischkonsum eingeschränkt. Seit Anfang 2009 esse ich kein Fleisch mehr, seit Anfang 2012 auch keinen Fisch mehr, bin ich also Vegetarier. Nun experimentiere ich mit einer veganen Ernährung. Ungefähr zwei Tage in der Woche esse ich rein pflanzlich. Deswegen verfolge ich Deinen Blog natürlich sehr aufmerksam. Als Vegetarier kommt man heutzutage in den meisten Gegenden irgendwie durch. Auf den Hütten während der Alpenüberquerung gibt es immer mindestens zwei oder drei vegetarische Gerichte. Selbst hier in der Fränkischen Schweiz, die klassisches Fleischland ist, bekommt man zumindest eine Käseplatte oder auf Nachfrage auch Bratkartoffeln mit Omelette. Als Veganer sieht es ganz anders aus. Manche Wirte und Bedienungen auf dem Land oder in den Bergen wissen nicht, was das genau bedeutet. Überrascht mich aber nicht wirklich. In Deutschland gibt es ja erst rund 100.000 Veganer. In den Alpen traf ich ein Pärchen, das sich vegan ernährte. Die hatten halt ihr eigenes Essen mit im Rucksack und machten sich selbst etwas, wenn sie auf der Hütte nichts rein Pflanzliches bekamen.




Du hast vor einigen Jahren mal eine Radweltreise unternommen. Wann genau war das und wie lange warst Du damals unterwegs?
Ich bin zusammen mit meiner damaligen Partnerin von Februar 2006 bis Juli 2007 „um die Welt“ geradelt. Wir starteten vor unserer Haustür in Aachen und radelten insgesamt 20.000 km durch Deutschland, Italien, Griechenland, Türkei, Syrien, Jordanien, Australien, Neuseeland, Singapur, Malaysia, Thailand, Laos und China. In den arabischen und asiatischen Ländern gab es übrigens oft viele und sehr gute vegetarische und vegane Gerichte.

Australien, 2006

Australien, 2006

China, 2007
 
Atemberaubender Tiger Leaping Gorge, China, 2007

Wie oft bist Du für gewöhnlich auf Reisen? Ist schon wieder ein neues Projekt geplant und wenn ja, was wird Deine nächste Unternehmung sein?
So oft wie möglich bzw. nicht oft genug ;-) Ich bin einfach gerne unterwegs, am liebsten mit möglichst wenig Gepäck per pedes, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So bewege ich mich in der Natur bzw. bin nah an den Menschen dran. Land und Leute sollen meine Reisen bestimmen, nicht schweres Gepäck oder ein PKW, um den ich mich kümmern muss.
Ob ich dieses Jahr eine größere Tour machen werde, wird sich zeigen. Ein Traum von mir ist, Deutschland einmal auf dem Rad an dessen Grenze zu umrunden. Im Moment bin ich dabei die, Tagesberichte der Alpenüberquerung als PDF zusammenzufassen. Das Dokument möchte ich dann als kostenlosen Download auf meinem Blog anbieten. Wer darüber oder über sonstige Neuigkeiten informiert werden möchte, kann sich gerne in meinen Newsletter eintragen, den ich etwa alle zwei Wochen verschicke.

Vielen lieben Dank, Christof und ich bin schon gespannt, mehr von Dir zu lesen! Mehr Fotos zu seiner Tour von München nach Venedig könnt Ihr hier bewundern.
 

Nachtrag 04.06.2013:

Christofs e-Book über die Alpenüberquerung ist nun fertig und steht zum
kostenlosen Download bereit :
www.einfachbewusst.de/2013/05/alpenueberquerung

Nachtrag 10.08.2014: 
Christof lebt nun seit Anfang 2014 vegan und gerade ist er unterwegs, um die Alpen von Salzburg nach Triest zu überqueren. Ich bin davon überzeigt, dass er dies auch als Veganer mit Bravour meistern wird.
www.einfachbewusst.de/2014/08/vegan-ueber-die-alpen


Nachtrag 29.6.2015:
Christof ist im letzten Jahr tatsächlich vegan über die Alpen gewandert. Wie er sich unterwegs ernährt hat, hat er allabendlich auf Facebook verraten:
www.facebook.com/media/set/

 Nachtrag 30.6.2015:
Ab nächster Woche wird Christof wieder auf der Alpenüberquerung Salzburg-Triest unterwegs sein, um seinen Wanderführer über diese 28-tägige Tour fertigzustellen. Das Buch wird im Frühjahr 2016 im Bergverlag Rother erscheinen. Alles über die Alpenüberquerung Salzburg-Triest findet Ihr hier:
www.einfachbewusst.de/salzburg-triest
  

1 Kommentar:

  1. Interessant, vielen dank. Ich möchte so gerne mal den appalachian trail laufen und finde es daher gerade so spannend über sowas zu lesen. :)

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