Montag, 1. April 2013

Interview mit Doris Neubauer von "little miss itchy feet"

Heute möchte ich Euch gerne Doris vorstellen. Doris ist Österreicherin und schreibt den Reiseblog "little miss itchy feet". Außerdem ist sie Vegetarierin. Und sie hat schon viel gesehen, denn wenn es sie zu sehr kribbelt, dann packt sie einfach ihren Rucksack (oder vielmehr ihre Rucksäcke) und zieht los. Auf zum nächsten Abenteuer!

Mexiko
Hallo, Doris, Du hast ja genau wie ich einen Reiseblog und so bin ich auch auf Dich gestoßen. Seit wann betreibst Du Deinen Blog und welche Orte hast Du bisher bereist?

Den Blog "little miss itchy feet" betreibe ich seit beinahe einem Jahr - also kurz nachdem ich von meiner mehrmonatigen Reise durch Südamerika zurück nach Österreich gekommen bin und hier wieder meine Basis gefunden habe, habe ich den Blog ins Leben gerufen. Vor allem, um meine Art des Reisens zu zeigen, zu beweisen, dass man unterwegs auch positive Spuren hinterlassen kann und um die faszinierenden Menschen und Projekte vorzustellen, die die Welt nicht nur entdecken, sondern auch verändern möchten. 

Welche Orte ich bereist habe? Beim letzten Mal Zählen waren es um die 40. Doch gebloggt habe ich über nicht ganz so viele. Highlights waren sicher Bhutan, Mexiko, Belize, Guatemala, Südamerika (Kolumbien, Ecuador, Argentinien, Bolivien, Uruguay), Hawaii, ... Die vollständigen Berichte gibt es hier: www.littlemissitchyfeet.com/category/reisenotizen

Galapagos: Zu Gast bei Seelöwen und Leguanen
Höchste Weinverkostung Österreichs im Tiroler Pitztal

Wo hat es Dir bisher am besten gefallen und warum?

Einen Lieblingsort gibt es für mich nicht und wird es vermutlich auch nicht geben: Ich fühle mich überall dort wohl und zuhause, wo ich spannende, faszinierende Menschen treffe und Begegnung stattfindet. Das klingt jetzt vielleicht komisch, war aber schon immer so :)
Ich werde auch oft gefragt, wo ich denn leben möchte - oder warum ich gerade in Wien lebe. Ich denke, ich kann - fast - überall leben (okay, mit Bolivien habe ich mir zugegebenermaßen schwer getan) und würde das auch tun. Ich liebe es, irgendwo eine Basis zu haben und von dort die Gegend zu erkunden. So habe ich das z.B. auf Hawaii, in Phoenix, Arizona und auch in Bogotá, Kolumbien sehr genossen. 

Auf der Straße nach Hana, Maui (Hawaii)

Hale Akala auf Maui
Wie wählst Du Deine Reiseziele aus? Von langer Hand geplant oder durch eine spontane Eingebung?

Ich bin nicht die große Planerin - besser gesagt: nicht mehr (jaja, lacht nur, Ihr, die Ihr mich kennt :)). Gerade beim Reisen habe ich zwar viele Orte, die ich noch sehen möchte und je mehr ich entdecke, desto mehr interessiert mich auch und desto länger wird die berühmt-berüchtigte Bucket-List. 

Meist folge ich also "spontaner Eingebung", heißt, Einladungen: Von Freunden, die auf der Welt ihre Zelte aufschlagen oder irgendwo hin wollen und Reisebegleitung suchen. Oder ich nehme einen Anlass - Hochzeit von Freunden in Mailand z.B. - als "Entschuldigung", unterwegs sein zu müssen. Oder auch Presse- und Recherchereisen, zu denen ich aufgrund meines Jobs als Reiseredakteurin geladen werde, die dann entweder einem Traumziel entsprechen (so geschehen bei Bhutan) oder zumindest mit einer Traumdestination verbunden werden können. 

Tigernest Bhutan

Ganz toll finde ich ja, dass Du Vegetarierin bist. Hast Du denn unterwegs Probleme, etwas Fleischloses zu essen zu finden? 

Ich bin Vegetarierin seitdem ich 12 Jahre alt bin (mit Unterbrechung, die mir nicht gut getan hat), finde es also ziemlich komisch, noch über die Tatsache sprechen zu müssen, kein Fleisch und auch keinen Fisch zu essen. Aber ja, es ist noch immer ein Thema - und nicht nur in Kulturen wie Südamerika, wo man es sich vielleicht denken könnte. Selbst in Österreich, in Portugal, fast überall ist es noch Gesprächsstoff (naja, auch gut, so wird einem zumindest nicht langweilig :) 

Natürlich war es schon schwierig, meiner kolumbianischen Gastfamilie beizubringen, dass ich weder Fleisch noch Fisch und auch kein Huhn (!) esse... vor allem, weil dann nur ungewürzter Reis und Kochbananen übrig geblieben sind. Aber irgend eine vegetarische Lösung gibt es immer, sei die auch oft noch so langweilig. Aus dem Grund liebe und schätze ich es auch sehr, auf Reisen meine Basis mit eigener Küche zu haben: Dann funktioniert das mit dem Vegetarierdasein sehr gut! 

Übrigens erlebe ich auch immer wieder positive Überraschungen: Zum Beispiel habe ich in Bogotá ein paar VegetarierInnen getroffen, die - über CouchSurfing - eine Veggie-Gruppe gegründet hatten. Und die Köstlichkeiten, die da aufgetischt wurden, haben für einiges entschädigt. Außerdem findet sich über HappyCow fast immer ein brauchbares Lokal, das leider aber oft nur mittags geöffnet hat. 



Du hast Erfahrung mit Couchsurfing, magst Du uns darüber auch ein bisschen was erzählen?

Huch, wo soll ich anfangen.. und wo aufhören? Ja, ich bin seit 2007 CouchSurferin, heißt, ich habe viele Reisende bei mir in Wien aufgenommen, bin selbst unterwegs bei "Fremden" untergekommen und habe vor allem unglaublich viele spannende Menschen getroffen. Ich bin noch eine CouchSurferin vom "alten Schlag", also eine, der es darum geht, möglichst interessanten Einheimischen zu begegnen und gleich einen Freund/ eine Freundin in der Stadt, in der Region, zu haben. Für mich macht das das Reisen erst wirklich aus und zu einem Erlebnis, denn Museen kann ich auch allein erkunden, doch nur der Alltag lässt mich die fremde Kultur begreifen. Außerdem vereinfacht es das Reisen unglaublich, weil ich überall einen lokalen Ansprechpartner habe.

Ohne CouchSurfing hätte ich wohl nie die hawaianische Insel Kauai von oben entdeckt, hätte nie über dem Millstätter See in Österreich in einem Baumhaus geschlafen, hätte wohl den einen oder anderen Roadtrip nicht machen können... und vor allem wäre ich vielen meiner engsten und besten Freunde nicht begegnet . Es sind so viele kleine Momente, die ich ohne CouchSurfing nicht erlebt hätte! Aber: Ich muss sagen, dass ich in letzter Zeit etwas vorsichtiger geworden bin, denn das enorme Wachstum der Plattform bringt nicht nur Positives (Mehr dazu hier: www.littlemissitchyfeet.com/same-same-but-different-airbnb-oder-das-bessere-couchsurfing

Couchsurfing-Freunde

Außer dem Reisen, dem Bloggen und der Tatsache, dass wir beide Veggies sind und auch noch im gleichen Jahr geboren wurden, haben wir aber noch eine große Gemeinsamkeit: Hawaii! Alleine zu diesem Thema hätte ich geschätzte 1 Million Fragen. Also erzähl uns doch einfach mal was dazu ;)

Ja, Hawaii und ich, wir haben eine besondere Geschichte miteinander: Ich habe von Januar bis April 2010 auf der größten Insel Hawaiis, auf Big Island, verbracht. Und zwar nicht irgendwie, sondern in einer Yoga-Community namens Kalani, wo ich freiwillig in der Küche gearbeitet habe und mit rund 100 anderen Volunteers zusammengelebt habe. Es ware eine turbulente Zeit, in der ich Hawaii von einer ganz anderen Seite kennen gelernt und die ich - natürlich bei meinen "itchy feet" auch für ganz viele Ausflüge genutzt habe - dass es dabei viel zu erzählen gibt, zeigt die Tatsache, dass ich darüber sogar ein Buch geschrieben habe: Ich nenne "Hawaii - zwischen Yoga, Lava und Kochtöpfen" mein persönliches Reisepuzzle. 

Darin gibt es Geschichten über meine Erfahrungen vor Ort - und ich sag Euch, das Zusammenleben mit Wildfremden auf engem Raum hat es in sich - , über hawaiianische Kultur und Brauchtümer, über meine Roadtrips und Entdeckungen... nicht nur im Außen, sondern auch im Innen. Aber lest selbst - ich hoffe, es ergibt ein spannendes Bild "meines" Hawaiis, das so viel mehr zu bieten hat als bloß herrliche Endlossandstrände und blitzblaues Meer... auch wenn das natürlich auch sehr schön ist :) 





Vielen Dank nochmal, Doris für das Interview! Und ich habe mir das Buch natürlich schon längst bestellt und bin fleißig am Lesen.

Wer es sich kaufen möchte: Bestellbar ist das Buch “Hawaii – zwischen Yoga, Lava und Kochtöpfen. Drei Monate in einer Community auf der Trauminsel” um 4, 99 Euro als ebook bzw. 14,99 Euro als Print-on-Demand unter folgenden Links:


 

Kommentare:

  1. Schön, ich liebe solche Interviews. Vielen Dank euch zwei! Oh Mann, es gibt echt sooo viele grandiose Fleckchen auf dieser Erde. Ich war übrigens auch schon mal "vegan auf Reisen", eine Erfahrung im Detox Retreat. Hart, aber super spannend :-) LG Martina

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  2. Schönes ausführliches Interview, Linda!

    Das Buch habe ich bereits gelesen und lege es allen ans Herz, die einen Besuch der Yoga-Community Kalani in Erwägung ziehen oder allgemein mehr über Land, Leute und Kultur Hawaiis erfahren möchten.

    Viele Grüße,

    Christof

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  3. schön dieses interview danke dafür. vegetarisch zu reisen ist in manchen länder wirklich gar nicht so einfach für verwöhnte deutsche veggies, die an so viele tolle produkte gewöhnt sind. wo man übrigens oft gesundes und frisches veggie essen bekommt, ist auf yogareisen, falls euch das interessiert. mittlerweile meine lieblings-reiseform. lass euch mal nen link da für alle, die sich das vorstellen könnten: http://www.yoga-on-holiday.com/index.php/de/ viel spass beim reisen weiterhin
    sara

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