Freitag, 19. Oktober 2012

Tolles Taiwan - Gastbeitrag von Natascha



Meine Freundin Natascha hat gerade ein zweimonatiges Praktikum in Taiwan hinter sich und ich freue mich, dass sie wieder an mich gedacht hat und sich trotz Studium und sonstigem Stress die Mühe gemacht hat, einen erneuten Gastbeitrag für meinen Blog zu verfassen.


Diesen Sommer war ich für ein zweimonatiges Praktikum in Taiwan, genauer gesagt in der Hauptstadt Taipei. Ich habe mich, was das Essen angeht, gefühlt wie im Paradies, da es unglaublich viele vegane Möglichkeiten gibt. Zwar konsumiert der moderne Taiwaner regelmäßig Milchprodukte, doch in der traditionellen chinesischen Küche wird man vergebens nach Milch suchen. Kuhmilch war kein Bestandteil der Ess- und Trinkkultur Asiens und erst die Europäer brachten die Milch dorthin. Das ist auch die Erklärung für den großen Anteil der laktose-intoleranten Personen innerhalb der asiatischen Gesellschaft. Somit ist es relativ einfach ein vegetarisches / veganes Gericht zu bekommen, da es oft genügt, einfach das Fleisch wegzulassen ( bzw. die Eier). Traditionelle Süßspeisen sind fast ausnahmslos vegan.

Da der Veganismus in Taiwan unbekannt ist, erkundet man sich einfach immer nach vegetarischem Essen. Der Zusatz, dass das Gericht ohne Ei sein soll, reicht dann aus. Oft werden diese Gerichte mit Tofu serviert. Da ich Tofu verabscheue (welch Seltenheit als Veganerin...), werde ich darüber nicht berichten. Aber überall gibt es ihn, da er von allen als eigenständiges Gericht (nicht als Ersatzprodukt) geschätzt wird.  Infolge des Buddhismus gibt es überall vegetarisches Essen, da es in dieser Religion verboten ist, Fleisch zu sich zu nehmen.

Wer auf diesen Zeichen achtet, ist immer auf der sicheren Seite: (su, Gemüse)
Ich möchte euch nun gerne von einigen Leckereien, die mir in Taiwan begegnet sind, berichten.

Ein typisches chinesisches Gericht besteht aus Fleisch, vielerlei Gemüse und Nudeln bzw. Reis. Überall kann man sich sehr günstig damit sättigen. Ohne Zucker und Fett ist dieses Essen auch super gesund. Es besteht kein Problem darin, ein veganes Gericht zu bekommen. 






Teigwaren 
Aus der nordchinesischen Küche stammen viele verschiedene Teiggerichte, die auch in Taiwan gerne gegessen werden. Baozi ähneln Damfnudeln und können deftig oder süß gefüllt sein. Mit viel Gemüse sind sie ein sehr sättigender Snack. In der süßen Variante kennt man sie mit Roter Bohnen- oder Sesampastenfüllung. Baozi kann man in den Convenience Stores wie 7Eleven und Family Mart , die sieben Tage die Woche 24 Stunden geöffnet sind, kaufen. Vegan leider nur in der süßen Variante. Mit Gemüsefüllung bekommt man Sie in normalen Imbissen. Rote Bohnen ist ein sehr beliebter Geschmack in Ostasien; Europäer werden vielleicht vom Namen abgeschreckt. Aber lasst euch gesagt sein, dass es einfach unglaublich lecker ist.

  


Zurück zu den Teigwaren sind Jiaozi oder auch Shuijiao genannt unbedingt erwähnenswert. Es handelt sich hierbei um chinesische Maultaschen, die es überall in veganer Form zu bekommen gibt.



Zur gleichen Familie gehören auch die Xiaolongbao. Es sind  kleine Teigbällchen, die mit Gemüse gefüllt werden können. Empfehlenswert sind spezielle Xiaolongbao Restaurant. Es macht wirklich Spaß, den Köchen zuzuschauen und dann seine Xiaolongbao in einem Bambuskörbchen serviert zu bekommen.


  
Zu guter letzt  gibt es noch Mantou, welche als wirklich einfaches Essen angesehen werden und nur als Sattmacher dienen. Oft ohne Füllung, hier mit Kürbisstücken oder Nüssen. Finde ich persönlich aber auch lecker! 


Feuertopf
Dieses Gericht stammt ursprünglich aus der Mongolei und ist nicht nur in Taiwan sehr beliebt. Es gleicht einem Fondue. Es gibt einen Topf mit leckerer Brühe in dem alle möglichen Dinge gekocht werden. Das macht wirklich sehr viel Spaß! 

  
„Chinesische Onigiri“- Fantuan 
Mein Frühstück bestand jeden Tag aus einem Fantuan. Ein in Seetang eingewickeltes Reisbällchen mit einer vielfältigen Gemüsefüllung. 100mal besser als ein Marmeladenbrot ;)


Nachtmarkt
Ein absolutes Highlight in Taiwan sind die sogenannten Nachtmärkte. Es handelt sich hierbei um Straßenmärkte, die früh abends öffnen und bis spät nachts geöffnet sind. Hier kann man supergünstig in Garküchen essen gehen sowie Kleidung und allen möglichen Krimskrams kaufen.
Man muss sich keine Gedanken um die Hygiene machen, manchmal sind die Stände sehr einfach, aber immer sauber! Sehr lecker sind auch die zahlreichen Bubble Tea Stände und Fruchtsaftbars, in denen es frischgepresste Säfte, mit exotischen Früchten, die alle auf der Insel angebaut werden,  erwerben. Mein Highlight sind Wassermelonen-  und Guavensäfte!





Unglaublich lecker sind Süßkartoffelspeisen, die es in allen Variationen gibt. Süßkartoffelbällchen werden frittiert und oft mit Pflaumenpulver gegessen. Hört sich erst nach einer seltsamen Kombination an, passt aber super! Auch als eine Art Pommes sind sie sehr lecker, auch hier das Pflaumenpulver bitte nicht vergessen ;) 





Was auch sehr gerne frittiert wird, sind verschiedene Pilze

Leider kenne ich keinen deutschen Namen, für die nächste Süßigkeit,aber es sind kleine Klößchen aus Klebreismehl, die süß mit den verschiedensten Geschmäckern gefüllt werden. Dazu gehört z.B. rote Bohnen, Taro, Schoko, versch. Früchte. Interessant ist, dass diese Klößchen in Eis gelagert werden. Sie sind zwar nicht gefroren, aber es ist ein sehr interessantes Geschmackserlebnis ;)

  
Süßigkeiten und Snacks
Neben denn vielen Leckereien auf dem Nachtmarkt kann man auch anderorts auf interessante Dinge stoßen!

Am berühmtesten dürfte hierbei die taiwanesische Form von Eis sein. Ich war ganz schön geschockt, als von Eis die Rede war und ich es serviert bekommen habe :) Mit Eiscreme hat es nämlich nichts zu tun, was für uns Veganer klasse ist! Ein Schälchen wird zur Hälfte mit Crushed Ice gefüllt und oben werden meistens drei  verschiedene Zutaten dazu gegeben, die man sich aussuchen kann. Zur Auswahl gehören Rote Bohnen, Grüne Bohnen, Süßkartoffel, Taro, Ananas, Tapiokaperlen, Grass Jelly. Das ganze wird vermischt und es schmeckt FANTASTISCH. Das Beste daran ist, dass man nach einer Portion Eis, kein schlechtes Gewissen bzgl. der Kalorien haben braucht :) Man bekommt es entweder in speziellen Eisläden, die nur das anbieten oder auch bei Straßenständen.



Youkan (jp.) bzw. Yangao (chin.) bestehen aus Bohnengelee und gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, und zwar in den üblichen verdächtigen: Rote  Bohnen und grüner Tee, sowie Longan, Ananas und Pfaume. (leider kein Bild)

Mochi sind Klebreisklöße die mit verschiedenen Pasten gefüllt sind. Dazu gehört Rote Bohnen, Sesam, Grüner Tee, und Erdnusspaste.

Getrockneter Seetang (Nori) geröstet in Sesamöl und gesalzen sind ein Traum. Als Snack sehr lecker und sehr gesund.

  
Onigiri stammen aus Japan und sind dreieckige Reisbällchen, gefüllt mit Fisch, Fleisch und Gemüse und eingewickelt in Seetang. Ich habe immer lange suchen müssen, bis ich Onirigi mit Gemüsefüllung gefunden habe. Lediglich im Convenience Stores „High Life“ sind sie vegan. ( Im Bild ist noch sehr leckere Melon Soda aus der japanischer Kette „Daiso“ zu sehen!)



Gegrillte Süßkartoffeln sind in einigen Convenience Stores erhältlich. Mir wurde zwar gesagt, ich solle die Schale abmachen, aber ich habe die Süßkartoffel immer komplett gegessen ;);) 

Ganz wichtig: Oreo Kekse sind in Taiwan vegan!!! Also kaufen, kaufen, kaufen!!

Ich habe die Gelegenheit in Taiwan zu sein genutzt und auch oft japanisch gegessen. In Deutschland kann man sich das ja normalerweise nicht leisten :) Soba-Nudel, Udon-Nudeln, Nudelsuppen, Tempura und Teppanyaki ( gegrilltes Gemüse) ist alles vegan!







Getränke
Neben den Fruchtsaftbars, die ich bereits erwähnt habe, wird der sogenannte Bubble Tea, ( den in Taiwan unter diesem Namen wirklich niemand kennt... Hier heißt er „zhenzhu naicha“) an jeder Ecke verkauft. Milchtee können wir Veganer leider nicht trinken, da es hier leider nur Kuhmilch gibt. Sojamilch und Tee zu mischen finden Taiwaner eine schreckliche Vorstellung... Aber Tee mit leckerem Geschmack und Tapiokas ist auch sehr lecker!

Bei Starbucks habe ich auch etwas feines entdeckt:

  
Und sogar deutsches Bier gibt es in Taiwan ;)
Melon Soda

Zum Schluss bleibt mir nur noch sagen, das eine Reise nach Taiwan sich auf jeden Fall lohnt. Kulinarisch sowieso, dass habe ich hoffentlich überzeugend darstellen können. Aber auch das Land selbst ist super. Freundliche Menschen, interessante Kultur, viel Natur mit gewaltigen Bergen und schönen Stränden und tolle Städte. Abschließend noch einige Impressionen:



 Nicht weit von Taipei entfernt wartet ein kleines verschlafenes Dörfchen darauf, vom Besucher entdeckt zu werden. Jioufen war unter der japanischer Besatzung ein wichtiger Goldgräberort. Nachdem die Japaner die Minen verließen, wurde es ruhig um den Ort. Enge Gassen,  hübsche Teehäuser und der Blick auf die Berge und das Meer verleiht Jioufen seinen Charme.


Jioufen
 


Wasserfälle in Shifen
Chiang Kai-Shek Gedächtnishalle
 

Die Chiang-Kai-Shek Halle wurde zu Ehren des Anführers der Nationalisten, die 1949 im chinesischen Bürgerkrieg nach Taiwan geflohen sind und die Republik China geggründet hat. Im imposanten Bauwerk kann neben einer riesigen Statue auch ein Museum über sein Leben und der Geschichte Taiwan besucht werden.

Ältester Konfuziustempel von Taipei
Dieser Tempel ist der älteste, der in der Hauptstadt in Gedenken an Konfuzius gebaut wurde. Hier kann man den hektischen Stadtalltag entfliehen und südchinesische Architektur genießen.

Ältester Konfuziustempel von Taiwan in Tainan
Keelung
Nationales Palastmuseum
Als die Nationalisten unter Chiang-Kai-Shek aus der VR flohen, nahme sie alle Schätze des Kaiserpalast in Beijing mit nach Taiwan. Dort ist es bis heute geblieben und stellt die größte und wertvollste Sammlung chinesische Kunstwerke da. Vergleichbar ist das Nationale Palastmuseum mit dem Louvre in Paris und ein absolutes Muss für Taiwan-Besucher.

Sun-Yat-Sen Gedächtnishalle

Die Sun-Yat-Sen Gedächtnishalle wurde für den Staatsgründers China erbaut. Er war es, der 1911 das Kaisserreich gestürzt hat. Er wird sowohl in China, als auch in Taiwan verehrt. In der Halle wurde ihm ein Museum gewidmet.

Taipei 101
Das Taipei 101 war vor wenigen Jahren noch das höchste Gebäude der Welt. Von der Aussichtsplatform kann man eine super Aussicht über die Stadt und die umliegenden Berge genießen.

Taroko-Schlucht

Eine große Berühmtheit ist die wunderschöne Schlucht des Taroko-Nationalpark. Es gibt zahlreiche Wandermöglichkeiten und es kann einiges entdeckt werden, wie zum Beispiel Wasserfälle und Tempel. Der Park wird noch von Ureinwohnern bewohnt und ab und an wird man auf sie stoßen.


Lotus-See in Kaohsiung

Vielen Dank, liebe Natascha, da wird man ja richtig neidisch! Und schaut mal, was sie mir mitgebracht hat: taiwanesische Oreo-Kekse (langsam aber sicher habe ich das Gefühl, die sind überall vegan, nur bei uns nicht...). Außerdem habe ich Yangao bekommen, eine Süßigkeit aus Adzukibohnen, nur eben die chinesische Variante.



Kommentare:

  1. Vielen Dank für den tollen Bericht! Da bekomme ich sofort Lust, auch nach Taiwan zu reisen.

    LG Federchen

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  2. Total gut :) Da ich im nächsten Winter plane, ein Auslandssemester in China einzulegen, hast du mir gerade die Angst vorm Verhungern genommen ;)

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  3. Ach schön! Ich war letztes Jahr auch in Taiwan, jetzt bekomme ich wieder Fernweh... und Hunger! ;) Die leckeren Klebreisbällchen heißen übrigens Mochi und kommen ursprünglich aus Japan (gibt's auch hier in Deutschland im gut sortierten Asialaden), yamyam!

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