Mittwoch, 6. Juni 2012

Viva la Familia – Familientreffen in Nümbrecht (und Ausflug nach Köln)


Nein, hierbei handelt es sich nicht um meine Familie - das sind Kühe :D
Alle 3 Jahre findet an Pfingsten unser Familientreffen väterlicherseits statt. Dieses Jahr wurde es von Kölner Verwandten organisiert und fand deshalb in der Nähe von Köln statt. Genauer gesagt im Bergischen Land und zwar in Nümbrecht. Die Speisekarte des Hotels klang recht vielversprechend, denn neben der Bergischen Schnitzelparade werden dort auch diverse Antipasti angeboten, Spaghetti mit Olivenöl und Knoblauch, Penne mit Tomatensoße und Gemüse und auch Salat. Ziemlich viel Auswahl für ein verlängertes Wochenende inklusive 2 Übernachtungen fand ich und machte mir keine großen Sorgen.


Bierenbacher Hof Hotel und Restaurant 
Schlenke 3
51588 Nümbrecht-Bierenbachtal
www.bierenbacher-hof.de



Fürs Frühstück hatte ich vorgesorgt und eine kleine Kühltasche mit Schokoaufstrich, herzhaftem Aufstrich und Aufschnitt von Wheaty dabei nebst einer kleinen Tupper-Flasche gefüllt mit Mandelmilch.


Dort angekommen, bekam ich aber ein DIN A4-Blatt in die Hand gedrückt und die Info, dass wegen Pfingsten nur eine eingeschränkte Speisekarte gilt. Mmmmmm, zum Glück hatten es aber die Nudeln mit Tomatensoße und Gemüse auf die Pfingstkarte geschafft und das Mittagessen des ersten Tages war erstmal gesichert (ich musste nur dazu sagen, dass ich es ohne Käse wollte und das Wort "vegan" war dort auch ein Begriff).

 
Bergisches Landbier - ein herber Genuss
 
Abends sollte es Schnitzelbuffet geben und ich freute mich schon auf Salat und Pommes. 

Nach und nach sind die anderen Familienmitglieder alle eingetrudelt und mein Mann und ich haben am Nachmittag einen Spaziergang gemacht. Auf dem Weg zum Hotel hatten wir nämlich mehrere Kuhweiden und Pferde gesehen und wollten etwas die Natur genießen.






Tatsächlich waren dort überall Berge und Hügel um uns herum, allesamt schön grün bewachsen und riesengroße Weiden, auf denen Kühe grasten. Sie standen und lagen da wirklich einfach nur so rum und schmatzten und pupsten genüsslich um die Wette. Sie sahen recht zufrieden mit sich und ihrer Umwelt aus, außerdem schienen sie kräftig und gesund zu sein. Glückliche Kühe, wie die Werbung sie verspricht. Kaum zu glauben, dass es so etwas tatsächlich noch gibt. Aber natürlich ist mir klar, dass die Kühe nicht aus reiner Nächstenliebe auf der Weide rumstehen, sondern dass es Nutztiere sind, die in irgendeiner Weise einen Zweck erfüllen. Entweder werden sie irgendwann gegessen oder aber es sind Milchkühe. Verdächtig fand ich nämlich, dass im Wonnemonat Mai keinerlei Kälbchen zu sehen waren. Da mir aber bewusst ist, dass die Welt um mich herum nicht zu 100% vegan ist und dass Tiere eben immer noch zu unserem Vorteil genutzt werden, finde ich doch immerhin gut, dass die Tiere so viel Platz hatten und den ganzen Tag draußen sein konnten und statt Genmais frisches Gras zu fressen bekamen. Alles in allem also positiv.









Sogar Schafe gab es dort!

Sonne und die frische Landluft machen müde und nach über 2 Stunden Bergbesteigung und Kühe beobachten sind wir erstmal zurück ins Hotel und haben ein kleines Schläfchen gemacht (leider auf Daunenkissen - bäh! Memo an mich selbst: bei weitern Urlauben vielleicht vorher im Hotel telefonisch nachfragen oder einfach ein kleines Kissen selbst mitbringen). Ausgemacht war nämlich, dass es um 19.00 Uhr Abendessen gibt und wir hatten erst 17.00 Uhr. Wie sich herausgestellt hatte, haben wir aber wohl in unserer Abwesenheit nicht mitbekommen, dass das Essen auf 18.00 vorgezogen worden war. Als wir um kurz nach 7 zu der Truppe dazugestoßen sind, war schon fast alles abgegrast und ich habe nur noch ein paar Kartoffelecken bekommen und etwas Salat ohne Dressing (das Dressing war nämlich weiß, also war wahrscheinlich Sahne oder Mayo drin). Das hat dazu geführt, dass ich ziemlich miesepetrig war und auch keine Lust hatte nachzufragen, ob ich noch etwas anderes oder wenigstens ein Öl- und Essig-Dressing bekommen könnte. Wehe dem, der den Weg eines hungrigen Veganers kreuzt!

Später haben wir dann nochmal einen Spaziergang gemacht und noch mehr Kühe gesehen.




Der geplante Programmpunkt für den nächsten Tag war eine 2-stündige Planwagenfahrt mit anschließendem Mittagessen auf dem Ponyhof in Form einer typischen bergischen Kaffeetafel. Da saß ich nun erstmal und haderte mit mir, ob ich bei der Planwagenfahrt mitmachen sollte oder nicht. Da einige aus unserer Verwandtschaft schon fortgeschrittenen Alters sind, waren wir ja etwas eingeschränkt und die Fahrt war der einzige Programmpunkt des Tages. Nun sieht man sich nur alle paar Jahre und da sollte ich mich nun ausklinken? Ich war wirklich hin- und hergerissen. Schließlich schien es dort auf dem Land ja auch allen Tieren so gut zu gehen und sie hatten große Weiden und alles. Ich bin aber wirklich sehr froh, dass ich mich gegen die Planwagenfahrt entschieden habe. Wir haben meine Eltern am Ponyhof abgesetzt und sahen schon die kleinen Ponys fertig gesattelt und angeleint da stehen und eine ganze Horde kleiner Kinder freute sich schon darauf, auf ihnen zu reiten. Es kam mir ein wenig wie Fließbandabfertigung vor. Ich weiß ja nicht wie viele Kinder jedes Pony pro Tag so mit sich rumträgt oder wie viele Planwagenfahrten die Pferde jeden Tag so absolvieren, aber ich habe mich definitiv nicht wohl bei dem Gedanken gefühlt.

Später habe ich erzählt bekommen, dass man unterwegs mehrfach (!) Pausen gemacht hat, damit die Pferde sich erholen und etwas trinken konnten. Also das hat mich wirklich sehr beruhigt im Nachhinein, mitgefahren wäre ich trotzdem nicht, auch wenn ich das mit den regelmäßigen Pausen vorher gewusst hätte. So war es am besten und wir haben den armen Hottehüs einiges an Gewicht gespart, das sie nicht ziehen mussten ;)

Mein Mann und ich sind lieber in den Nachbarort gefahren und haben die Wiehler Tropfsteinhöhle besichtigt.





Ui, wie unheimlich!

Mit viel Phantasie sieht man links einen Stlagmiten, der die Form eines Eisbären hat

Später sind wir dann wieder zu der bergischen Kaffeetafel dazugestoßen. Angeblich ist so eine bergische Kaffeetafel über die Region hinaus bekannt. Mir leider nicht. Aber nun weiß ich ja Bescheid und kann es mit Euch teilen.

Eine bergische Kaffeetafel ist übervoll mit allerlei deftigen und süßen Speisen wie z.B. Waffeln mit Kirschen und Sahne, Milchreis mit Zimt und Zucker, Kaffe, bergische Brotsorten wie Graubrot und Schwarzbrot, Butter, Quark, Honig und Konfitüre, Wurst, Käse und zum Schluss ein bergischer Korn oder Magenbitter.

Der Kaffe wird traditionell in einer Dröppelmina auf den Tisch gestellt, was bei einer größeren Gesellschaft jedoch zu ziemlichen Wartezeiten führen kann, denn der Kaffe dröppelt wirklich aus dieser alten Apparatur sehr langsam heraus. Wer mag, kann ja mal danach googlen.

 



Es sah (bis auf die Leberwurst und die Blutwurst natürlich) alles ziemlich ansprechend aus und ich beschloss direkt, so eine Kaffeetafel auch mal zuhause zu arrangieren. Was ich für meine vegane Kaffeetafel verwendet habe, schreibe ich am Schluss meines Berichts.

Für eine Kaffeetafel gibt es auch eine bestimmte Reihenfolge, wie man das alles zu essen hat. Aber genauso wie die Speisen variieren können, gibt es auch unterschiedliche Meinungen zum Ablauf. Am besten isst man es so, wie es einem am besten schmeckt.

Mein Mann hat bei der Kaffeetafel zumindest bei den Waffeln kräftig zugelangt. Ich hatte zum Glück schon vorgesorgt und in der Gaststätte an der Tropfsteinhöhle war man so lieb, mir einen Salat mit Öl und Essig zu kredenzen und dazu ein paar Spargel.


Abends sind mein Mann und ich dann nach Köln gedüst, es war herrliches Wetter und zuerst waren wir am Dom und danach sind wir nach Kalk gefahren um im Trash-Chic leckere Burger zu verputzen. Ich lasse jetzt mal nur die Bilder für mich sprechen, einen ausführlichen Gastrobericht von mir dazu gibt es bei Deutschland is(s)t vegan.




Postkarten mit Kölschen Sprüchen

Mer losse de Dom in Kölle, denn da jehört er hin ;)


Hawaii Burger mit Pommes rot/weiß und BBQ Burger mit Chili-Cheese-Pommes (veganer Käse: Wilmersburger Pizzaschmelz)
Schoko-Bananentorte

Bergische Kaffeetafel:

Wie versprochen nun hier meine vegane Version der bergischen Kaffeetafel. Ich habe die Waffeln nach Björn Moschinski's Rezept aus "Vegan kochen für alle" zubereitet, habe aber Vollkornmehl genommen (dann braucht man etwas mehr Sojamilch als im Rezept). Den Milchreis habe ich nach Packungsangabe gekocht, aber statt Kuhmilch eine Mischung aus Soja- und Mandelmilch verwendet. Die Leberwurst ist von Tartex und der Aufschnitt ist Salami von Wheaty. Und der Kabänes durfte auch nicht fehlen. Das ist ein Kräuterschnaps aus dem Kölner Raum und ich hab mir sagen lassen "Kabänes" heißt sowas wie "Freund". ;)

Und besonders stolz bin ich auf die Tischdecke meiner Mama, die mir eigens für diesen Zweck ausgeliehen wurde und das tolle Kaffeegeschirr, das ich von meiner Oma geerbt habe. Viva la familia!






Nachtrag 26.12.2013:

Ich habe bei VeggieHotels entdeckt, dass es in Nümbrecht eine vegetarsche Pension gibt. 100% Bioküche und vegan möglich.

"Wir bieten auch vegane Küche an und bemühen uns auch weitestmöglich, auf Diätwünsche und Unverträglichkeiten (z. B. Laktose-Intoleranz) einzugehen."

Hier der Link zur Pension:
www.veggie-hotels.de/11-0-310-Cloudbell
www.kleine-achtsame-pension.de

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